Gestalteter Titel-Schriftzug
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Arbeiten mit optischen Filtern: Grau(-verlaufs-)Filter

Inhaltsverzeichnis

Einführung in die Welt manipulierter Belichtungszeiten

Die im Deutschen gängige Bezeichnung "Graufilter" lässt nicht zwingend darauf schließen, was der Einsatzzweck dieser optischen Helfer ist. Neutraldichtefilter, bzw. Neutral Density (ND) im Englischen, beschreibt den Sinn da schon präziser. Sie sorgen dafür, dass das Gesamte Licht möglichst gleichmäßig über das gesamte Spektrum reduziert wird und man somit die Belichtungszeit verlängern kann. Und während das bei herkömmlichen Graufiltern für die volle Bildfläche gilt, beschränken sich die verschiedenen Formen von Grauverlaufsfiltern nur auf Teile des Motivs.

Der, der neu in der Fotografie ist und gerade anfängt, das Zusammenspiel der vielen Faktor zu begreifen, wird sich vielleicht fragen, was es bringen soll, der Kamera das lebenswichtige Licht zu kürzen. Aber wie Sie später noch lesen werden, gibt es einerseits Kombinationen aus Lichtbedingung und gewünschter Blendeneinstellung, die Ihre Kamera nicht mehr realisieren kann und andrerseits Motive, aus denen Sie mit Stativ und langer Belichtungszeit noch das letzte Quäntchen Sehenswertigkeit herauskitzeln können.

Ich denke, Zielgruppe für beide Arten von Filter dürften vor allem diejenigen sein, die sich mit Landschaftsfotografie auseinandersetzen wollen. Als Inspiration sollten sich diese das unregelmäßig erscheinende Magazin "Digitale Fotografie" einmal näher ansehen. Während meiner Meinung nach die deutsche Literatur weitestgehend unterirdisch schlechter Schund ist, ist dieses eigentlich englische Magazin wirklich ein Lichtblick im besser sortierten Handel.

Einschrauben oder einschieben?

Während es für die Polfilter an sich relativ egal war, mit was für einem System man arbeitet, kommt spätestens für die, die an der ernstzunehmenden Benutzung von Grauverlaufsfiltern interessiert sind, nur ein Einschubsystem in Frage. Wer entgegen dem ausschließlich mit gleichmäßiger Abdunklung arbeiten will, der kann sich diese Investition definitiv sparen und auf Filter zum Einschrauben zurückgreifen. Allerdings ist auch hier zu überlegen, welche Filtergröße auf lange Zeit sinnvoll ist. Hat man nur ein Objektiv, mit de man alle gewünschten Situationen abdeckt und abdecken wird, erübrigt sich diese Überlegung. Plant man aber für die Zukunft, seinen Glaspark zu erweitern, sollte man das Vorgehen genau planen, um sich nicht später in Unkosten zu stürzen.

Einerseits hat man die Möglichkeit, doch über ein Einschubsystem nachzudenken, das mittels unterschiedlich großer Adapter die Verwendung aller Filter an allen Objektiven erlaubt. Andererseits kann man sich auch bereits zu Anfang mit großen Filtern (z. B. 77 oder 82mm) eindecken und diese mit entsprechenden Step-Up-Ringen an Objektiven mit unterschiedlichem Durchmesser benutzen. Für die letztgenannte Möglichkeit bezahlt man wesentlich weniger, ohne einen optischen Nachteil zu haben und überdies ist das Angebot in Deutschland hier ein gutes Stück vielfältiger. Hochwertiges Zubehör für die Einschubsysteme ist in aller Regel Importware – meist aus Großbritannien - und wird hierzulande von recht wenigen Händlern direkt und mit häufig langen Lieferzeiten vertrieben.

Graufilter – Was bietet der Markt?

Graufilter sind in Stärken von zweifacher bis 1000facher Reduktion des einfallenden Lichts verfügbar. Etwas verwirrend kann sein, dass man hier oft auf logarithmische Angaben der Filterstärke stößt. Entwirrend übersetze ich folgend mal die gängigsten Bezeichnungen, die man auf den Filtern findet: 0.3 (2×), 0.6 (4×), 0.9 (8×), 1.2 (16×), 1.5 (32×), 1.8 (64×), 2.0 (100×) und 3.0 (1000×). Ganz selten trifft man heute noch auf Restposten in den Stärken 4.0 (10000×) und 6.0 (1000000×). Diese werden aber (leider) nicht mehr hergestellt. Bei den Einschubsystemen ist das Angebot nicht ganz so umfassend und so muss man suchen, wenn man einen Filter in den weniger gängigen Stärken zwischen 1.2 und 2.0 haben möchte. Hier sind als Hersteller Lee-Filters, Cokin und Tiffen zu nennen, während die Einschraub-Varianten vor allem von B+W, Heliopan und Hoya vertreten werden. Ich persönlich bevorzuge B+W (Schneider-Kreuznach), wobei Heliopan das umfangreichste Angebot besitzt und auch geringfügig günstiger ist. Das Glas ist angeblich dasselbe, aber mir gefällt die Haptik der erstgenannten besser und außerdem hat sich Heliopan seinerzeit bei mir Minuspunkte durch einen recht unfreundlichen Kundenservice eingefahren. Über Hoya (gehört zu Tokina, bzw. umgekehrt) hört man nichts Schlechtes, aber darüber kann ich keine Erfahrungswerte zum Besten geben. Wie so oft sollte man auch hier die Finger von den aller billigsten Angeboten lassen, da sich NoName-Produkte in aller Regel dadurch auszeichnen, dass die Farbtreue schon bei geringer Stärke zu wünschen übrig lässt.

Graufilter – Wo ist eine Anwendung sinnvoll?

Ich selbst würde die Anwendung von Graufiltern in zwei Bereiche unterteilen: einerseits, um die technische Umsetzung einer Kameraeinstellung zu gewährleisten und andererseits als gestalterisches Mittel.

Zum ersten Punkt ein Beispiel. Sie sind im Besitz eines hoch lichtstarken Objektives, beispielsweise eines 50mm F/1.4. Jetzt haben sie vor, im hellsten Sonnenschein die Freistellungseigenschaften voll auszunutzen, indem sie mit Offenblende fotografieren. Selbst wenn ihre Kamera in der Lage ist, Belichtungszeiten von 1/8000 Sekunde zu realisieren, kann das schon zu viel sein, um das Bild nicht überzubelichten. Fuji löst in manchen kompakteren Modellen das Problem so, dass sich mechanisch ein Graufilter in den Strahlengang schiebt, da dort schon bei 1/2000 Sekunde Sense ist. Bei herkömmlichen Kameras schafft hier ein leichter Filter der Stärke 0.6 oder 0.8 Abhilfe, und sie können Ihre Vorstellungen bedenkenlos umsetzen.

Mein Einsatzzweck ist eher das Gestalterische, entsprechend nutze ich in aller Regel auch Filter, die wesentlich stärker sind. Fließendes Wasser oder die Brandung an den Klippen macht sich um einiges besser, schafft man es, die Belichtungszeit auf zwei bis drei Sekunden auszudehnen. Dazu kann am helllichten Tag schon ein 1.8er Filter in Zusammenspiel mit Blendenwerten um die F/22 nötig sein. Und möchte man die See eher surreal als spiegelglatte Fläche darstellen, greift man dann zu Werten um die 3.0. Spätestens da ist es nicht mehr möglich, durch den Sucher den korrekten Bildausschnitt und die Fokussierung vorzunehmen.

Entweder, man tut dies, bevor der Filter aufgeschraubt bzw. eingeschoben ist, oder man reizt die Kamera voll aus, indem man auf LiveView setzt und hofft, dass die interne Übersteuerung diese Abdunklung noch auffangen kann.

Auf die Belichtungsmessung der Kamera hier zu vertrauen, hat sich bei mir nicht als sinnvoll erwiesen. Statt dessen messe ich erst ohne Filter und arbeite im manuellen Modus weiter. Mit der Zeit bekommt man ein Gespür dafür, welchen Faktor der Filter braucht, um später ein brauchbares Bild zu erhalten. In aller Regel kommt man mit dem Multiplizieren der Zeit mit dem Faktor des Filters nicht ganz hin - zumindest nicht bei den sehr starken. Wer dennoch versuchen möchte, der Kamera die Verantwortung zu überlassen, sollte daran denken, das Okular abzudecken, damit von hinten einfallendes Licht den Belichtungsmesser nicht irritiert. Sie werden schon beim Zuhalten dessen merken, dass sich die Werte, die Ihr Arbeitsgerät anstrebt, ein gutes Stück ändern.

Weitere Motive für so lange Belichtungen können ziehende Wolken oder wehende Grashalme sein oder aber auch ein öffentlicher Platz mit regem Personenverkehr. Möchten Sie auf die Personen verzichten, stellen Sie die Kamera auf ein Stativ und versuchen Sie, mit den entsprechenden Filtern die Belichtungszeit derart in die Länge zu ziehen, dass im Optimalfall einige Minuten herauskommen. Ihr Bild beinhaltet dann im Idealfall nur das, was statisch ist; alles andere hat sich zu schnell bewegt und ist auf der Aufnahme nicht mehr zu sehen. Genau dieses Thema ist es, was mir oben das "leider" entlockt hat, denn ein Filter der Stärke 3.0 wird in der Regel für so eine Manipulation nicht mehr ausreichen, so dass hier mehrere Gläser gleichzeitig zum Einsatz kommen müssen.

Starke Filter, Fehlfarben und Abhilfe

In der Praxis wird sich zeigen, dass die Filter mit steigendem Filterfaktor immer mehr zu leichter Fehlfärbung neigen. Wie so oft ist es auch hier so, dass der Anschaffungspreis den Faktor nicht unwesentlich beeinflusst… Laut allem, was ich gelesen und gesehen habe, scheint der Big-Stopper von Lee hier die beste Performance abzuliefern. Allerdings ist dieser meines Wissens nur in der Einschubvariante verfügbar und das in Deutschland ohnehin nur schwer. Mein 3.0er B+W bekommt einen Rotstich, den ich auch schon bei der 2.0er Variante von Heliopan feststelle. Der Grund dafür ist, dass der Sensor während der langen Belichtungszeit Infrarot-Strahlung (die den Graufilter besser passieren kann) in sichtbare Wellenbereiche verschiebt und diese mit aufnimmt. In aller Regel kann dies per Nachbearbeitung reduziert wenn nicht sogar beseitigt werden. Es gibt allerdings eine weitere – wenn auch nicht ganz billige – Abhilfe, die vor allem denen zu empfehlen ist, die recht oft mit den starken und sehr starken Filtern arbeiten: Digitalfilter, bzw. UV-/IR-Cut-Filter (erhältlich u. a. von B+W und Heliopan). Diese Filter vermeiden gleichzeitig das Eindringen von Ultravioletten und Infraroten Strahlen in das Kameragehäuse. Zur Benutzung sollten sie VOR den Graufilter geschraubt werden, damit dieser erst gar nicht mit dem unsichtbaren Licht in Berührung kommt.

Ich nutze diesen Filter im Übrigen auch für Nachtaufnahmen, wenn das wenige Resttageslicht ohnehin zu langen Belichtungszeiten führt. Denn diese Zeiten sorgen ebenfalls dafür, dass sich die nicht sichtbaren Wellenlängen auf dem Sensor bemerkbar machen. Und zwar als mehr oder weniger stark ausgeprägtes Bildrauschen.

Die Kameras unterdrücken diesen Effekt heutzutage mit einer "Nachbelichtung", die der Zeit der Belichtung entspricht. Durch den zusätzlichen Filter bekomme ich meine gewünschte Qualität, ohne auf diese Technik zurückgreifen zu müssen und kann direkt nach der Aufnahme die nächste starten.

Grauverlaufsfilter – Was bietet der Markt?

Grauverlaufsfilter sollten meiner Meinung nach stets in Verbindung mit einem Einschubsystem Verwendung finden. In aller Regel sind diese Platten bis zur Mitte klar und haben dann je nach Typ einen harten oder weichen Übergang zu einer bestimmten Filterungsstufe. In Deutschland scheint der Umgang damit noch in den Kinderschuhen zu stecken. Es gibt weder brauchbare Literatur noch einheimisches Arbeitsmaterial. Die Welle breitet sich aus England und den USA langsam aus und entsprechend bezieht man auch von dort seine Werkstoffe, wenn man keine Kompromisse eingehen möchte. Es scheint hier tatsächlich so, dass die etablierten deutschen Hersteller diese Entwicklung vollkommen verschlafen. So werden zwar von den so oft bereits genannten auch ND-Grads angeboten, aber nur in der Version zum Einschrauben. Und mal ehrlich: wer will sich denn von seinem Filter vorschreiben lassen, dass der Bereich, der abgedunkelt werden soll, genau in der Mitte des Bildes zu beginnen hat? Entsprechend gehe ich darauf hiermit auch nicht weiter ein und beschäftige mich nur mit Systemen, die mir meine Gestaltungsfreiheit nicht nehmen.

Einschubsysteme sind in verschiedenen Größen erhältlich. Der allgemeine Standard und das System mit dem umfangreichsten professionellen Zubehör sind Filterbreiten von 4 Zoll (100m). Der französische Hersteller Cokin ist am deutschen Markt am besten vertreten und bietet auch kleinere Einsteigersets. Ich würde allerdings die schmalen Systeme nur denen empfehlen, die im APS-C-Format oder (Micro)FourThirds fotografieren und nicht vorhaben, sich in Zukunft auch in den Ultra-Weitwinkel-Bereich zu bewegen. Systeme über den 4" sind sinnvoll für größere Sensorformate und diejenigen, die an Weitwinkel-Objektiven mit weit ausladender Frontlinse ohne Filtergewinde trotzdem diese Systeme kompromisslos anwenden wollen. Ab dann wird's allerdings richtig teuer.

Zurück zu den 100 Millimetern sind Filter vor allem von Cokin, SinghRay, Lee-Filters und Tiffen erhältlich. Die letzten beiden Hersteller gelten meiner Ansicht nach als Maß aller Dinge, wobei vor allem Lee bei Naturfotografen der Filterlieferant schlechthin ist. Cokin bietet in Deutschland die breiteste Palette, den Ansprüchen vieler Fotografen genügen diese aber nicht. Ich sehe die amerikanische Firma SinghRay als das, was auch die beiden Engländer in den Schatten stellt und hüte meine bisher vier Platten wie meinen Augapfel. Beziehen kam man sie allem Anschein nach ausschließlich über den Hersteller selbst als auch über den Shop von B&H in New York.

Ich nehme mir mal die Freiheit und unterscheide hier ganze zwölf für mich sinnvolle Filter. Harte Verläufe, weiche Verläufe, Reverse-Verläufe (erst hart, und dann wieder weich "abklingend") und diese dann jeweils in den Filterstufen 0.3, 0.6, 0.9 und 1.2. Es gibt ein hier noch ein paar Modelle in Zwischengrößen, aber ich denke, man kann dabei ruhig in ganzen Lichtwertstufen rechnen.

Ich bin zur Zeit im Besitz von Filtern in den Stärken 0.6 und 0.9 und mein persönlicher Bedarf tendiert eher in die Richtung zu Stärkerem. Das mag wohl auch mit an meiner Vorliebe für stärkere bis unrealistische Kontraste und Gegenlichtaufnahmen liegen. Wer Wert darauf legt, möglichst naturgetreue Aufnahmen zu machen, wird durchaus mehr Verwendung für die feineren Abstufungen haben.

Grauverlaufsfilter – Wo ist eine Anwendung sinnvoll?

Eines der Phänomene, das einem beim Fotografieren begegnet, ist die Tatsache, dass das menschliche Auge den Himmel in der Regel eine gute Blende dunkler wahrnimmt als er tatsächlich und später auf der Aufnahme auch ist. Im optimalen Fall ist die universellste und einfachste Methode, später den gleichen Eindruck vom Bild zu haben, den man auch schon beim Bild machen hatte, die Benutzung eines Polarisators. Der falsche Winkel zur Sonne oder der Einsatz eine sehr weiten Brennweite, verlangt da aber ein anderes Vorgehen und der Grauverlaufsfilter kommt zum Einsatz. Hier juckt die Sonne und die Brennweite wenig, ich bin allerdings daran gebunden, dass der Horizont möglichst linear in den Himmel übergeht. Ab hier unterscheidet sich, welchen Typ Filter ich benutze. Den harten Verlauf benutzt man unter Idealbedingungen, beispielsweise, wenn man das Meer vom Firmament trennt oder Vergleichbares. In der Dämmerung, wenn die hellste Himmelsstelle am Horizont liegt, kann ein Reverse-NDGrad wahre Wunder vollbringen. Sobald mir aber Bäume im Weg stehen oder der Übergang aus anderen Gründen ungleichmäßig ist, ist der weiche Verlauf am Zug.

Die Auswahl der Stärke kann man mit der selektiven Messung von Vorder- und Hintergrund vornehmen und aus der Differenz auf die benötigte Filterung schließen. Ich muss mich hier outen und mache das eher intuitiv. Vor allem, wenn man direkt in die Sonne fotografiert, ist jede Messung eh für die Katz' und man improvisiert. Dass man für zufriedenstellende Ergebnisse, bei denen man auch einen brauchbar belichteten Vordergrund hat, durchaus mehrere Filter parallel nutzen muss, wird man spätestens merken, wenn man es ausprobiert.

Eine weitere sinnvolle Nutzungsmöglichkeit habe ich bereits im Polfilter-Workshop angerissen. Man stelle sich ein langsam fließendes oder stehendes Gewässer mit einem attraktiven Hintergrundmotiv vor. Das Vorhaben ist jetzt, eine Spiegelung im Wasser zu erreichen, die weitestgehend dem Motiv entspricht. Empfehlen würde ich hier die Kombination eines Polarisators mit einem harten Verlaufsfilter – vorausgesetzt immer, dass sich die Wasserkante als eine halbwegs gerade Linie im Bildausschnitt darstellt. Mit dem Polfilter wird zuerst durch Drehen erreicht, dass die Spieglung möglichst farb- und kontrastintensiv wird. Im Allgemeinen ist so eine Spieglung aber mindestens ein bis zwei Lichtwertstufen dunkler. Also schieben wir nach Ausrichtung des Polarisators den Grauverlauf in den Einschub und positionieren die Verlaufskante an der Wasserlinie, fertig. Geben Sie nicht auf, wenn das erste Ergebnis nicht Ihrer Vorstellung entspricht. Es spielen für die perfekte Spieglung viele Faktoren ins Bildergebnis mit ein, dass sich beim nächsten Motiv die Mühe in jedem Fall wieder lohnt. Die Auflistung jeder Eventualität erspare ich Ihnen hier. Gehen Sie lieber raus und finden Sie alles selbst raus!

Was gibt es noch?

Grundsätzlich kann man sagen, dass so ziemlich alles, was es in neutralem Grau gibt, auch in Farbe verfügbar ist. Die Farb- oder Farbverlaufsfilter kommen dann zum Einsatz, wenn man seinem Bild eine besondere Stimmung verpassen möchte. In geringen Umfang wirkt das einfach nur Unterstützend, bei den stärkeren Varianten erreicht man schnell künstlerisch und surreale Ergebnisse. Gerade die Farbverlaufsfilter wären für mich auch von Herstellen wie Cokin interessant, da ich nicht bereit bin, für die seltenen Fälle, wo eine Anwendung sinnvoll ist, gleich einen dreistelligen Betrag zu investieren. Meine eigenen Anwendungen gingen – hätte ich solche Filter – wohl in die Richtung, dass ich den Himmel bei eher mäßigen Sonnenuntergängen nachfärben würde oder ähnliche Sachen. Alle genannten Filterhersteller haben auch Farbfilter in ihrem Sortiment und die Auswahl ist recht groß.

Was hier abschließend natürlich auch noch eine Erwähnung finden sollte, sind variable Graufilter. Im Polfilter-Workshop habe ich darauf hingewiesen, wie man diese prinzipiell selbst baut, dementsprechend lasse ich deren Technik hier mal außen vor. Durch Verdrehen dunklen sich diese Filter ab und ermöglichen so die stufenlose Verlängerung der Belichtung. Ich selbst habe solche Filter nicht, sie sind mir zu dick und die Gefahr von Randabschattungen ist mir zu groß. Für diejenigen, die schon eine Sammlung an Graufiltern haben, würde ich diese Anschaffung auch nicht wirklich empfehlen. In der Regel weiß man zuvor schon, welche Filterstufe man benötigt und vor allem in den stark gefilterten Bereichen halte ich eine stufenlose Verstellung nicht unbedingt für nötig.

Der Einsteiger kann sich aber auf jeden Fall überlegen, ob ihn der höhere Aufbau der Filter und die eventuell damit auftretenden Risiken beeinträchtigen. Ist dem nicht so, ist die Entscheidung für einen Vari-ND mit Sicherheit nicht verkehrt.

Selbstverständlich gibt es noch eine Reihe von Speziallösungen, von denen ich die meisten höchstwahrscheinlich nicht einmal kenne. Heliopan beispielsweise bietet einen Einschraub-Grauverlauf an, dessen Abdunklung in der Mitte am stärksten ist und zirkular nach außen nachlässt. Der Perfektionist gleicht damit Objektivvignettierung aus. Nichts für mich, wo ich genug Motive habe, bei denen ich genau diese später eher dazurechne, weil mir der Effekt so gefällt.

Stripe-Filter gibt es von den meisten Herstellern, die Grauverlaufsplatten herstellen. Dabei verläuft ein neutraler oder auch farbiger Streifen über den Filter und man nutzt diese in ähnlicher Weise, wie man es auch mit Reverse-NDGrads macht; mit dem einzigen Unterschied, dass der Himmel nicht zusätzlich noch abgedunkelt wird. Eine Kombination aus einem Strip und einem harten Verlaufsfilter kann aber eben jenen Reverse-Filter ersetzen, scheut man nicht davor zurück, mehrere Filter gleichzeitig zu nutzen.

So, zu dem Thema fällt mir nicht mehr ein. Sollten noch Fragen offen sein, beantworte ich diese aber gerne per Mail und wenn sie sinnvoll sind, könnte es durchaus auch sein, dass ich die Antworten irgendwann hier nachtrage.