Gestalteter Titel-Schriftzug
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Unendliche Weiden – Schottland 2013

Inhaltsverzeichnis

Aller Anfang...

Noch nicht richtig aus LaPalma zurückgekommen, reifte auch schon eine Idee für den nächsten ausgedehnteren Ausflug heran. Wir hatten für die Kanaren finanziell zu pessimistisch kalkuliert, was uns beflügelte, noch einen weiteren Trip ins Ausland anzugehen. Von Nicole kam die Idee mit Schottland, womit man zwar in der Vergangenheit schon das ein oder andere mal geliebäugelt hatte, aber es noch nie näher in Betracht zog. Der Vorschlag wurde von allen Beteiligten einstimmig beschlossen und so geschah es noch im Laufe der Nachurlaubserholungswoche, dass Flüge, Mietwagen und Unterkünfte gebucht waren.

Um einen Überblick über das bis dato unbekannte Land zu gewinnen, war schnell klar, dass es auf mehrere Stationen hinausläuft, in denen wir nächtigen würden. Da die dort so zahlreichen Bed&Breakfasts überall hoch gelobt wurden, war auch die Art der Unterbringung schnell beschlossen.

Das Flugziel war Aberdeen im Nordosten ‒ das war das günstigste Angebot, das wir bekommen haben. Das erste Ziel sollte nahe des Flughafens sein und wir fanden in einer Pension nahe Stonehaven die ideale Bleibe.

Landschaftliche Impressionen sollten der Schwerpunkt von Station 2 sein, weshalb wir an der gegenüberliegenden Küste suchten und schließlich am Loch Linnhe im auslaufenden Tal Glen Coe landeten. Und zu guter Letzt positionierten wir kulturelle Häppchen ans Ende der Tour und wählten Dumfries als Ausgangspunkt für Besichtigungen von Burgen, Schlössern, Klöstern und davon vor allem Ruinen.

Der Osten – Stonehaven (Tag 1 bis 3)

Der Aberdeener Flughafen empfing uns mit Dimensionen, die wir von den Azoren gewohnt waren. Recht fix ging's durch die Passkontrolle, wo wir beide Mitarbeiter des Airports kennenlernten. Kurz im bushaltestellengleichen Raucherpavillon die erfolgreiche Anreise gefeiert, ging es unter einer wiederum rauchfreien Endlospergola auf zu den Mietwagen.

Als das handyeigene Navigationssystem endlich erwacht war, bestätigte sich Raphaels Hoffnung nicht, Aberdeen umfahren zu können und so ging die erste Rechtslenkerausfahrt erst einmal quer durch die Stadt. Nach geschätzten 20 Kreiseln, vier Litern Schweiß und reichlich Pippi auf dem Fahrersitz war die Schnellstraße erreicht, und es fühlte sich etwas mehr wie Urlaub an. Ein knappe halbe Stunde und die erste landestypische Single-Track-Road später waren wir im Bed&Breakfast Upper Crawton angekommen.

HDR der Arbroath AbbeyNach Einweisung in die Räumlichkeiten und Bestellung des kommenden Frühstücks, entschieden wir zufrieden mit allem Gesehenen und der freundlichen Art der Hauseigner, noch eine kleine Erkundungsfahrt zu unternehmen und gleich mit einer Klosterruine zu beginnen. Arbroath Abbey lag knapp 50 Kilometer entfernt und war selbstverständlich nicht mehr geöffnet, als wir ankamen. Für ein paar wenige Fotos von außen und etwas mehr Erfahrung im Straßenverkehr war der Ausflug allerdings gut genug, und bis wir über die Bridge of Dun wieder im Haus angekommen waren, war der Tag ohnehin um.

Gut gesättigt und mit bedenklichen Leberwerten ging es am folgenden Morgen zu Dunnotar Castle, wohl zusammen mit Eilean Donan Castle das meistfotografierte Schottland-Motiv. Faszinierend thront die Ruine auf einem vorgelagerten Felsen in der geradezu langweilig ruhigen Nordsee.Dunnotar Castle Nachdem verschiedene Blickwinkel ausprobiert wurden, haben wir die Ruine auch selbst besichtigt und waren – wie so oft noch danach – angetan über die britische Art, solche Anlagen zu pflegen. Der Boden wurde überall von akkurat geschorenem Rasen bedeckt, der in typischem Kontrast zu den alten Gemäuern steht – eine schöne Alternative zu unseren einheimischen Bauwerken, bei denen das Drumherum in aller Regel wesentlich unberührter und -gepflegter ist.

Die Tourroutine hatte uns bis zu diesem Tag noch nicht so wirklich ergriffen, so dass wir das jeweils nächste Ziel immer erst während dem Unterwegs heraussuchten und so eher planlos durch die Landschaft fuhren, die nach und nach malerischer wurde, je weiter man sich von Küste und Zivilisation entfernte. Glamis Castle, den Geburtsort der Queen Mum, suchten wir uns folgend aus, entschlossen aber, dass es für unseren Geschmack zu aufgeräumt und unzerstört war und die üblichen gut acht Euro Eintritt pro Person nicht wert war. Hier zeigte sich eine Lücke in unseren Vorbereitungen, denn man hat in Schottland bei dem großen Teil der Sehenswürdigkeiten die Möglichkeit, diese mit einem zuvor erworbenen Ticket kostenlos zu besuchen. Bei der Anzahl der Denkmale, die wir noch vor uns hatten, hätten wir so sicherlich ein paar Pfund sparen können.

Gut, so wählten wir spontan eine Tour durch die Cairngorms, den Highlands dieser Inselseite.kleiner Wasserfall in den Cairngorm Highlands Eigentlich auf der Suche nach einem bestimmten Tal, passierten wir eine überdimensionale Umleitung und haben uns dann Beschilderungen studierend zurück nach Stonehaven gehangelt. Der Old Military Road folgend erlebten wir trotzdem Landschaften wie aus dem Bilderbuch und blieben das ein oder andere mal an der Straße stehen, um den Moment einzufangen oder einfach nur die sattgrüne Umgebung samt zugehöriger Luft zu genießen.

Ein bisschen enttäuscht waren wir von der Angebotsvielfalt des Abendessens, das letztendlich ausfiel, weil die wenigen gefundenen Restaurants entweder Ruhetag hatten oder voll waren. Leicht lidlkeksgeschwängert ging's später entsprechend ins Bett, um am nächsten Tag die Weiterreise an die Westküste anzutreten.

Der Westen – Ballachulish, Clencoe (Tag 3 bis 6)

Gute vier Stunden Autofahrt bei teilweise fragwürdigem Wetter brachten uns ans Ziel. Dazwischen machten wir das erste mal mit einem schottischen Imbisswagen Bekanntschaft und schwärmen heute noch von dem Angebot. Hot Roll with Bacon and Egg ist unser Favorit, wobei die Roll ein Brötchen ist, das von Konsistenz und Haptik wohl irgendwo zwischen McDonald's und örtlichem Bäcker angesiedelt werden muss. Schön saftig mit leckerem Speck und Spiegelei belegt ist das eine Mahlzeit, die zumindest Raphael jeder Currywurst vorziehen würde.

Die Zeit bis zum Einchecktermin an der Küste überbrückend, bekamen wir um 16 Uhr unser Zimmer im Ardno House zugewiesen und haben auch an diesem Tag nicht mehr all zu viel erlebt. Eine kurze Erkundungsfahrt brachte uns allerdings noch an Castle Stalker vorbei, welches auf einer kleinen Insel im Loch Linnhe zu finden ist. Den ausgeschilderten Aussichtspunkt sollte man nicht wirklich ernst nehmen. Parkt man stattdessen 20 Meter weiter direkt an der Straße, ist die Aussicht besser und man ist geschätzt sogar näher dran. Allerdings trifft man nicht direkt auf das Café, welches unweit des beschriebenen Punktes liegt ‒ mag man jetzt darüber denken, was man will.

Nebenbei hatten wir an Station zwei auch ein relativ leckeres Restaurant entdeckt, welches wir zweimal ausgiebig nutzen. Nur führte der erste Besuch dort zu einer kleinen, aber nichts desto trotz angenehmen Irritation, als sich Raphael Scallops bestellte, aber mit Prawns rechnete und recht zufrieden war, als statt den erwarteten Krabben letzten Endes Jakobsmuscheln kamen und die Fummelei samt tagelang duftender Finger ausblieb.

Folgender Tag war ein Tag mit Struktur.Glenfinnan Viaduct Der Wetterbericht verhieß für die Gegend nichts Gutes, jedoch wurde er besser, je weiter man Richtung Norden suchte. Entsprechend hießen unsere Hauptziele Glenfinnan und Isle of Skye, und wir hatten tatsächlich das Glück, dass die Witterung immer dann geradezu perfekt für uns war, als wir aus dem Auto ausstiegen.

Glenfinnan lag unserem Ausgangspunkt am nächsten. Überschaubare Parkgebühren waren der einzige Kostenpunkt, und so starteten wir zu Fuß in Richtung des ersehnten Eisenbahnviaduktes, welches auch schon in manch Harry-Potter-Film und weiteren Produktionen zu sehen war. Das örtliche Monument zum Gedenken an den Beginn der zweiten Jakobiterrevolte lag zwar auch sehr schön am Ufer des Loch Shiel, allerdings zog es dort sehr viele Touristen hin, die man nicht so leicht ausblenden konnte, wie an dem gegenüberliegenden viel viel größeren Bauwerk. Nachdem die Brücke von vielen Seiten ausreichend dokumentiert wurde und langsam keine brauchbaren weiteren Blickwinkel mehr zu finden waren, hielt ein Geländewagen neben Nicole und der Fahrer wies uns darauf hin, in einer halben Stunde käme die Tschu-Tschu (wohl gälisch für Eisenbahn). Klar nahmen wir den Tipp an und hatten noch ausreichend Zeit, uns abseits der ebenfalls eingeweihten Touristenströme zu platzieren, um nicht ganz die Standardaufnahmen zu machen. Mit bahn-typischer Verspätung traf das antike Dampfross samt Anhängern ein und wir hielten drauf was möglich war.

Weiter ging es Richtung Mallaig, von wo aus Fährverbindungen nach Skye und zu weiteren Inseln angeboten wurden. Auf dem Weg dorthin fanden wir noch eine malerische Bucht, die uns einige sehenswerte Belichtungen bescherte, und er führte uns zum tiefsten Loch Schottlands, Loch Morar (bis 310 Meter), und zu den Silver Sands of Morar, was allerdings beides optisch nicht all zu sehr überzeugte. Man konnte uns in Mallaig nicht sagen, ob das nächste Schiff zum anvisierten Ziel noch Platz für uns hatte und so machten wir kurzen Prozess und fuhren zurück, um den Landweg und später die Skyebridge zu passieren.

Der Weg erschien länger als erwartet, bis wir endlich kurz vor der Brücke auf Eilean Donan Castle trafen.Szene auf der Isle of Skye am Loch Harport Wegen Wetter und Licht entschieden wir, den Rückweg für eine ausgiebige Begutachtung zu nutzen. Skye selbst war leider sehr gut besucht. Alles, was an Sehenswertem vorhanden war, wurde von goretexüberzogenem Mensch abgedeckt, so dass wir uns dann mehr für die Landschaft an sich interessieren mussten, um halbwegs brauchbare Aufnahmen zu bekommen. Das eigentliche Ziel unserer Überfahrt, die Fairy Lakes, eine sehenswerte Landschaft mit Wasserfällen, kleinen Teichen und Bächen, musste ärgerlicherweise so ebenfalls ausgelassen werden, da man hier schon vom Weitem das Naturdenkmal an den vielen meist neonfarbenen Punkten ausmachen konnte.

So kamen wir kurz vor der goldenen Stunde wieder am Schloss im Loch Duich an und arbeiteten unser Pensum ab. Faszinierend, wie das geschichtsträchtige Gebäude mit der vorgelagerten Brücke im Wasser liegt, und wir gaben unser Bestes, Aufnahmen zu machen, die dem Geschehen gerecht wurden. Der ausgedehnte Heimweg wurde dann nur noch von einem kurzen Besuch mit Ablichtung des Abendrotes oberhalb von Loch Garry unterbrochen.HDR vom Eilean Donan Castle Lustig hierbei die nebensächliche Tatsache, dass es in unserem Bekanntenkreis auch einen Garry gibt, der ebenfalls ein ...loch ist. So klein ist die Welt!

An Tag drei wollten wir es etwas ruhiger angehen lassen. So starteten wir zurück Richtung Glencoe, um im fast gleichnamigen Tal ein bisschen zu laufen und das schöne Wetter zu genießen. Auch mit dieser Entscheidung waren wir logischerweise inmitten der Hauptsaison nicht alleine. Dem Ärgernis anderer Humanoiden auszuweichen, war hier allerdings denkbar einfach. Die Touristen nahmen sich generell scharenweise die Wanderrouten vor, und wir hatten ja nicht vor, einen mehrstündigen Fußtrip zu unternehmen, sondern wollten einfach nur ein bisschen was sehen. Also ging's auf dieselben Parkplätze, nur dann eben zu Fuß genau in die entgegengesetzte Richtung. Ein alter Forstweg parallel der Straße war menschenleer und für uns wie geschaffen, und einige der schönsten Erinnerungsfotos sind hier entstanden.Rannoch Moor im Glen Coe Nachdem wir uns auf einem Felsvorsprung etwas entspannten – einer liegend, eine andere moosfotografierend – und die Ruhe genossen haben, bekamen wir sogar noch die Möglichkeit, uns an einem kleinen Wasserfall auszutoben.

Auch Rannoch Moor ließen wir nicht aus, eine ausgedehnte und bizarre Moorlandschaft inmitten von Glen Coe. Ein längerer Weg zu Fuß ist wegen dem durchnässten Grund zwar nicht zu empfehlen, sich aber von dieser Anderswelt einen Eindruck zu gönnen, sollte man unserer Meinung nach auf keinen Fall auslassen!

Der Süden – Dumfries (Tag 6 bis 9)

Und schon war die Zeit an der Westküste um, und wir fuhren gen Süden. Wieder ein Stück durch die Highlands, an dem riesigen Loch Lomond entlang, auf der Stadtautobahn durch Glasgow und nach Dumfries, etwa zehn Kilometer entfernt von Lockerbie, was dem ein oder anderen Leser nach dem Terroranschlag in den 80er Jahren vielleicht noch ein Begriff ist.Sweetheart Abbey Abermals kamen wir zu früh an, aber da eine der zahlreichen Abbeys (Sweetheart Abbey) nur ein paar Kilometer entfernt lag, wussten wir die Zeit bestens zu nutzen.

Mehr als den örtlichen Supermarkt auszukundschaften, war allerdings nach dem Einchecken in Glenaldor House nicht mehr drin, wobei uns verwöhnten Menschen auch wieder ganz angenehm war, an einem Ort alles erdenklich Brauchbare vorfinden zu können. Highlights waren hier Doughnuts, mit Zucker glasiert, mit Schokoguss überzogen, mit Cookiekrümeln bestreut und mit Nougat gefüllt - und das wohlgemerkt alles gleichzeitig! Gut, es hätte gern noch etwas süßer sein dürfen, war aber okay...

Es war Samstag und es war Abbeytag. Mindestens vier Kirchen- bzw. Klosterruinen standen auf dem Programm und brav klapperten wir in gut 100 Kilometer Entfernung zu unserer Unterkunft alles Gewünschte ab.

Jedburgh Abbey war die erste Abbey, und die Ruine der Basilika war geschätzt auch die größte und eindrucksvollste der vier. All diesen Schauplätzen war gemein, dass deren vorgelagert ein alter Friedhof war, der herrlich als Vordergrund für unsere Kompositionen dienen konnte. HDRs, Panoramen, Aufnahmen, die später eher monochrom bearbeitet wurden ‒ hier konnten wir alles ausprobieren, und das haben wir auch getan.

Alle geplanten Abbeys befanden sich im Umkreis von wenigen Kilometern, und so waren wir schon kurze Zeit später in Kelso.HDR der Kelso Abbey Von der ehemals größten all dieser Bauwerke stand nur noch das Wenigste, aber auch das war schon imposant genug. Kelso Abbey war auch das einzige Denkmal, das kostenlos zu besichtigen war. Für all die anderen bezahlte man zwischen 4,50 und 5,50 Pfund, was uns aber nicht störte, weil wir es erstens schon zuvor wussten und weil zweitens die Ruinen so gepflegt waren, dass es uns das Geld wert war. Dass wir die Bezahlerei hätten auch anders lösen können, wurde oben ja bereits ausführlich beschrieben.

Nummer drei war die Dryburgh Abbey, die wohl mit zu Melrose, unserer letzten Station, gehörte. Sehr weiträumig verteilten sich hier die imposanten Mauerreste und wir konnten/mussten einer Hochzeit beiwohnen.Dryburgh Abbey Was einerseits irgendwie interessant war, war andererseits für unsere Bilder natürlich störend. Über den vorweg schreitenden Dudelsackspieler haben wir uns galerieseitig in der Bildunterschrift schon ausgelassen; das war es auf jeden Fall wert. In der eigentlichen Melrose Abbey angekommen waren wir wie erschlagen von den prächtigen Überresten der wohl bekanntesten der schottischen Kirchenruinen. Hier verblüffte vor allem, welche filigranen Teile des hochgotischen Baus noch existierten ‒ seien es das Zierwerk in den Fenstern oder Teile des meisterlichen Strebewerks. Wie der Bau allerdings zu seiner asynchronen Form gekommen ist, da sind wir selbst noch am Forschen. Gerade das Kirchenschiff selbst wirkt bei genauerem Hinschauen so, als hätte man zwei einzelne Hallen, die zwei Meter auseinander standen, irgendwie ineinander geschachtelt.

Als Option wären für weitere Besichtigungen noch die Rosslyn Chapel, das Falkirk Wheel oder auch die Falls of Clyde in Frage gekommen,HDR der Melrose Abbey aber wir waren für den Tag erst einmal satt und machten uns wieder auf den Rückweg. Zumindest erstgenannte haben wir leider auf dem Rückweg nach Aberdeen noch mitgenommen, aber dazu später noch mehr.

Die Südküste entlang bis zu deren westlichem Ende war die angestrebte Route an unserem letzten vollständigen Tag. Den Einstieg machte das Caerlaverock Castle, auch ganz in der Nähe von Dumfries. Malerisch liegt hier das kleine Wasserschloss in der Landschaft, eingerahmt durch den ebenso annähernd dreieckigen Burggraben, der selbstverständlich auch Wasser führte.Caerlaverock Castle Der Burg angeschlossen war ein kleiner Naturlehrpfad, und man konnte dieser Route folgend auch noch die Grundmauern des Vorgängerbaus besuchen ‒ was wir allerdings nicht taten, da noch genug Alternativen auf dem Plan standen und die Zeit allmählich knapp wurde.

Dumfries mussten wir noch einmal umfahren, um letztendlich auf die gewünschte Straße nach Westen zu kommen. Von da an ging's erst mal geradeaus. Fotografisch wenig erfolgreich haben wir teilweise Abstecher auf Nebenstraßen unternommen, was zwar etwas mehr Zeit gekostet, dafür aber mit Ruhe, Einsamkeit und wunderschönen Ausblicken belohnt hat. Wirklich angehalten haben wir erst wieder in Glenluce, wo es einmal mehr eine Glenluce Abbey zu besichtigen gab.Glenluce Abbey Wir beließen es allerdings hier bei einem Blick und wenigen Fotos von außen. Nicht die Zeit, sondern das Geld war hier ausschlaggebend, und wir befanden, für den Eintrittspreis schon sehenswertere Ruinen in den paar Tagen gesehen zu haben, was – wie weiter unten noch angesprochen – vielleicht nicht ganz die beste Entscheidung gewesen sein sollte, weil wir unser Restgeld wesentlich sinnloser verpulvert haben.

Wende- bzw. Zielpunkt des Ausfluges war Mull of Galloway, ein gar winziges Landzipfelchen und der südlichste Punkt Schottlands. Ein schöner Leuchtturm schmückte die sehenswerte Landschaft mit der malerischen Steilküste und Blick auf Nordirland und die Isle of Man, und ein etwas überlaufenes Café belohnt den Besucher, der sein Vehikel zuvor durch Schaf- und Viehherden dirigieren musste.Leuchtturm am Mull of Galloway Wir haben uns gegönnt, unser frühes Abendessen dort einzunehmen. Die Zusammenstellung dessen war zwar etwas seltsam anmutend, es hat aber geschmeckt und die Preise waren akzeptabel.

Dundrennen Abbey sollte auf dem Rückweg das letzte kulturelle Ziel dieses Tages sein, aber wir merkten davorstehend, dass aus uns die Luft raus war und wir uns nicht einmal mehr dazu überwinden konnten, die Kirchenruine von außen zu fotografieren.

Es stand nach dem letzten Frühstück die Heimfahrt an, und da unser Flieger erst gegen 17 Uhr im gut 300 Kilometer entfernten Aberdeen starten sollte, beschlossen wir, das größte Ärgernis des Urlaubes noch in die Strecke einzuschließen. Beflügelt von Sakrileg bzw. dem Da Vinci Code wollten wir die Rosslyn Chapel dann doch noch mitnehmen. Das Ergebnis war eine kleine überfüllte Kapelle mit einer doppelt so großen Empfangshalle, in der alles an Ramsch und Nippes angeboten wurde, was der typische Tourist so braucht. Neun Pfund Eintritt (pro Person!) und das erst nach Bezahlung ersichtliche Fotografierverbot im Innern waren ein herbe Enttäuschung und auch für schottische Verhältnisse eine bodenlose Frechheit. Klar ist die Kirche schön, aber das war der Besuch bei Weitem nicht wert. Lieber hätten wir das Geld in die beiden ausgelassenen Abbeys investiert...

Wie war's denn jetzt eigentlich...?

Die Reise und jeden der in diesen Tagen gefahrenen der um die 3200 Kilometer war es definitiv wert! Wir sind der Meinung, Schottland ist für diejenigen, die ähnliche Interessen wie wir haben, auf jeden Fall ein Muss. Eine Rundreise in dem Stil der unsrigen ist empfehlenswert, will man sich einen Überblick über das Land verschaffen, um später die Erfahrung für einen ausgedehnteren Aufenthalt zu haben.

Um nach einem Fotourlaub mit wahren fotografischen Highlights nach Hause zu kommen, war das Konzept nicht unbedingt das Richtige. Wir haben selbst auch mehr geknipst, als dass wir die Möglichkeit hatten, aus einer Szene das Maximum herauszuholen. Das wechselhafte Wetter führt dazu, dass man bei jedem Bauwerk nehmen muss, was da ist. Da kann man dann Glück oder auch Pech haben, und genauso war es auch bei uns; denn nicht wir entschieden, welche Abbey später hochdramatisch mit Regenwolken und welche in saftig grüner Natur im Sonnenschein präsentiert werden konnten.

Die Menschen dort erschienen uns außerordentlich freundlich und offen, und vor allem die jeweiligen Vermieter halfen gerne, hatte man Fragen. Vor allem auf dem eher ländlichen Anwesen in Stonehaven machten wir diese Erfahrung, als wir kurz vor der Abreise nach der besten Route fragten. Als Antwort wurde keine Mühe gescheut und Karte und Infomaterial hervor gekramt, um Tipps und Infos mit auf den Weg zu geben. Auch abseits der Bleiben hatten wir sehr viele positive Eindrücke. Mentalität und Lebensstandard scheinen unseren sehr ähnlich zu sein; einzig die andere Straßenseite, Währung sowie Sprache mögen überwindbare Unterschiede darstellen.

Die Westküste war landschaftlich der Höhepunkt der Reise. Klar muss man sich dort allerdings sein, dass es kaum größere Ortschaften gibt und man entsprechend wenige Möglichkeiten hat, mal schnell einkaufen zu gehen oder sich bei McDonald's einen Überbrückungsburger zu holen. Hat man sich so eingerichtet, wird der Aufenthalt aber unvergesslich.

Das Essen in Schottland ist geschmacklich gut, aber nicht unbedingt leicht. Für Raphael, der auch an Wochenenden zu Hause ein nicht unbedingt zurückhaltender Frühstücker ist, war dies in Schottland der kulinarische Tageshöhepunkt. Für den Rest des Tages sollte man planen, denn es ist, wie schon geschrieben, nicht überall einfach, etwas zum Einkehren zu finden.

Bed&Breakfasts hingegen gibt es landauf, landab genug und wir würden bei unserem kommenden Besuch dort auch definitiv wieder diese Art der Unterbringung wählen. Zufrieden waren wir mit allen dreien, wobei uns Station eins und drei etwas besser gefallen haben, auch wenn wir in Glencoe mit vier die meisten Sterne hatten. In Stonehaven waren die Leute am freundlichsten, in Dumfries war das Frühstück das beste ‒ was aber allesamt die jeweiligen Leistungen der anderen nicht abwerten soll; es gab kaum irgendwo etwas auszusetzen.

Der dünnbesiedelte Norden, Orkney, Shetland und die Äußeren Hebriden sind bis dato von uns komplett verschont geblieben und werden wohl mindestens teilweise die anvisierten Ziele einer kommenden Reise auf die Insel sein. Wann das allerdings sein wird und was bis dato alles noch dazwischen kommt, das lassen wir auf uns zukommen. Klar ist nur, dass es nicht der letzte Besuch gewesen sein soll!