Gestalteter Titel-Schriftzug
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Alles Banane...? – LaPalma 2013

Bereits im Sommer 2012, kurz nach unserer kleinen Ost-Tour nach Prag und Dresden, reifte die Idee für den nächsten Inselurlaub um Ostern 2013 heran. Wir beschlossen schon damals, Nicoles Eltern mitzunehmen, da diese noch nie mit dem Flugzeug verreist waren und sie es alleine wohl auch nicht mehr wagen würden.

Ursprünglich hätte Sao Miguel das Ziel sein sollen. Spätere Überlegungen zielten aber eher auf die Kanaren ab. Der Grund dafür war nichts Geringeres als das Essen, das auf den portugiesischen Azoren eher als experimentell zu bezeichnen ist und unserer Meinung nach die fast spanische Küche sich besser mit den Geschmäckern unserer Mitreisenden vereinen ließ.

Wir fingen an zu Stöbern und entschlossen uns nach kurzer Zeit für La Palma, da wir dort erwarteten, die Natur und Landschaften am ehesten vorzufinden, die unsere Kameras sehen wollen.

Gebucht war schnell, aber im Laufe der kommenden Monate sollten wir erleben, was wir dabei alles falsch gemacht haben. Über Opodo ging's an Thomas Cook, die uns haargenau vorführten, wie wir nicht behandelt werden wollen. Die ursprünglich angegebene Hinreise verlängerte sich erst um 50, dann um 100 Prozent. Und kaum hatten wir uns damit halbwegs abgefunden, übertraf die Verzögerung der Heimreise den letztgenannten Wert noch. Einige E-Mails an den Veranstalter führten zu immer frecheren Antworten, so dass wir schließlich auch das geschluckt hatten.

Pro forma schrieben wir unsere zukünftige Unterkunft an und haben nach einem Riesenschreck herausgefunden, dass wir zwar gebucht waren, dies aber auf den falschen Namen. Und zu guter Letzt stellten wir am Ende unseres Urlaubs erstaunt fest, dass unsere Flüge zwar reserviert waren, aber die Tickets nicht existierten (keine Ahnung, wie so was funktioniert). Was Thomas Cook allerdings problemlos hinbekommen hat, war das pünktliche Abbuchen der Reisekosten! Uns bleibt nur, diesen Verein schlecht zu machen, wo wir es nur können. Und dazu müssen wir nicht einmal lügen! Den Verantwortlichen haben wir auch riesige Pickel am Arsch gewünscht, aber das Resultat bekommen wir ja leider nicht mit...

So, genug des Meckerns, begeben wir uns auf die Reise. Mit dem Auto in Thüringen die Eltern kassiert, ab nach Frankfurt. Von dort aus mit Iberia nach Madrid (zwei Stunden ohne kostenlose Verpflegung), von Madrid nach Teneriffa-Nord (drei Stunden ohne kostenlose Verpflegung) und von dort mit Binter Canarias nach La Palma (eine halbe Stunde mit kostenlosem Mineralwasser und Schokoriegel). Den Mietwagen am Flughafen konnten wir für gut 20 Euro von einem Seat Leon in einen Minivan mit Dieselmotor upgraden, was die Logistik erheblich vereinfachte! Also ging's einmal quer über und durch das stockdunkle Inselinnere bis zu unserer Unterkunft, dem La Palma Jardin kurz vor den Toren von Los Llanos de Aridane. Dort wurden wir bereits von Maria (wem auch sonst) erwartet und bekamen unser Apartment zugewiesen; keine viertel Stunde später waren wir im Urlaub!

Der erste Eindruck bei der Guten-Morgen-Zigarette auf der Terrasse irritierte zunächst: da ein weißes Rechteck, dort noch eins, dort ein kreisrundes Wasser und dort beides nebeneinander - ah! Die Bananenplantagen! Also erst mal wieder zurück ins Haus und am anderen Ende an der Eingangstür die frischen Brötchen geholt. Die mitgebrachte Hausmacher zunächst mal ignorierend, haben wir uns noch vor dem Frühstück für den Supermarkt entschieden und starteten danach satt in den Tag.

Unsere Lage bot sich geradezu an, den ersten Erkundungstrip direkt in La Palmas Wahrzeichen, die Caldeira de Taburiente, zu unternehmen. Vulkankrater ist laut Wikipedia dafür nicht die korrekte Bezeichnung, aber es ist ziemlich nahe dran und sehr groß! Am Parkplatz am Schluchtgrund wurden wir erst einmal von dem deutschen Ableger von Familie Flodder begrüßt, die uns zu einem höher gelegenen Wander-Startpunkt fahren wollte. Wir lehnten ab und erkundeten das Gebiet erst einmal eigenständig. Leider war der Großteil der Schlucht wegen Erdrutschgefahr gesperrt, so dass unser Aktionsradius ein bisschen eingeschränkt war.

Die zweite Station führte uns nach La Cumbrecita an die Berghänge, die die Caldeira im Süden eingrenzen.  Losgelaufen im Nebel und bei eher fragwürdigen Temperaturen, riss schon bald der Himmel auf und gab den Blick auf die atemberaubende Landschaft frei. Auf dem kleinen von dort ausgeschildertem Rundweg trifft man auf zwei Aussichtspunkte: den Mirador de los Roques und den Mirador de las Chozas. Vor allem letzterer hat uns voll überzeugt, den ersten können wir nicht bewerten, da er zu dieser Zeit noch in den Wolken lag.

Mit Carmen fanden wir am folgenden Abend unser Stammlokal, gerade mal 200 Meter vor unserer Haustür. An dieser Stelle noch einmal vielen herzlichen Dank dorthin für das wunderbare Essen und den genauso wunderbar trockenen Humor der Bewirtung!

Tag zwei brachte uns zwecks Übersicht unsere erste Fast-Inselumrundung ein und stand im Nachhinein wohl unter dem Motto "wenig brauchbares Bildmaterial, viel gefahrene Kilometer". Wir starteten Richtung Südkap, um dort für fünf Euro pro Person den Volcán San Antonio zu besichtigen. Es war die einzig kostspielige Sehenswürdigkeit dieser zwei Wochen, aber bei Weitem nicht die sehenswerteste. Der erloschene Vulkan wurde touristisch hergerichtet und konnte auch mit Kamelen bestiegen werden. Künftigen Besuchern empfehlen wir, lieber den tiefer gelegenen, erst 1971 ausgebrochenen Teneguía zu besuchen. Das ist interessanter und vor allem authentischer!

Der Ostküste folgend ging es wieder nordwärts. Die Hauptstadt Santa Cruz (wie auch sonst) schreckte uns erst mal ab, weshalb wir sie nur durchfuhren. Dass der erste Eindruck täuschte, sollten wir später noch erfahren. Kurz entschlossen bogen wir nach der Durchfahrt Richtung Inselherzstück ab und erreichten nach zwei Stunden Serpentinen und knapp 2400 Höhenmetern den Doppelaussichtspunkt Mirador de los Andenes, nahe dem Gipfel von La Palma, dem Roque de los Muchachos. Wir genossen für eine halbe Stunde die frische Höhenluft und die Aussicht, experimentierten ein wenig mit den Kameras und setzten anschließend unseren Weg wieder Richtung Westküste fort. Im Nachhinein ein bisschen dämlich, dass wir die Gegend nicht genauer und länger ausgekundschaftet haben, denn als wir an diesem Punkt das zweite mal waren, war die Sicht in die Caldeira wesentlich bewölkter.

Der letzte Stopp des Tages war der Mirador Garome nahe Tijarafe. Die Schlucht, Barranco, die es hier zu bestaunen gibt, ist so steil, dass nicht einmal Bananenplantagen angelegt werden konnten und wir so einen freien Blick aufs Meer hatten – auch wenn dieser aufgrund des unspektakulären Vordergrundes uns Einiges an Improvisationstalent abverlangte.

Am nächsten Morgen nahmen wir uns eine Auszeit und machten uns zu zweit auf den Weg. Abermals zog es uns zur Südspitze nach Fuencaliente, das eigentlich Los Canarios heißt, da es die Fuente, die Quelle, im 17. Jahrhundert bei einem Vulkanausbruch verhagelt hat. Unser Ziel war der dortige Leuchtturm und die danebenliegenden Salinen und es entstanden die ersten koordinierten Aufnahmen des Urlaubs. Nachdem wir die Gegend ausgekundschaftet, begutachtet und abgelichtet hatten, entschieden wir, am selben Abend gleich nochmal zu viert das dann bessere Licht an dieser Stelle auszunutzen. An besagtem Abend zeigte sich, dass wir mit dem Objektivkauf im Vorfeld gut beraten waren, denn spätestens hier hätte ich mein Tokina wohl nach einer Brandungsfehlberechnung seebestattet. Das Nikkor steckte die Dusche unbekümmert weg, der Polfilter wurde gereinigt und auch ich war dank der Brise und der kräftigen Abendsonne eine knappe Stunde später wieder trocken. Trotz des Fehltrittes sind im Anschluss noch einige der Urlaubshighlights entstanden!

Der folgende Ostersonntag ähnelte kilometertechnisch Tag zwei, mit der Folge, dass ich irgendwann anfing, ob der ganzen und andauernden Fahrerei, zu meckern. Der Weg führte uns um die Nordseite und die einzig halbwegs brauchbare Aufnahme war wiederum vom Mirador Garome, diesmal allerdings beim Sonnenuntergang.

Dem Piratennest bei Tijarafe – fachmännisch der Cueva Candelaria – galt Nicoles und meine Aufmerksamkeit an Tag fünf. In eine gigantische Grotte wurde hier über Jahre von Einheimischen eine Wochenendsiedlung gebaut – auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, wie man sich auf Dauer bei dem Getöse der Wellen, das von dem Hohlraum noch verstärkt wird, entspannen kann.  Schon der Weg dorthin war ein Abenteuer und mehr als einmal glaubten wir, dem armen Mietwagen zu viel der Steile zuzumuten. Die letzten gut 50 fahrbaren Höhenmeter ließen wir so aus und machten uns zu Fuß auf den Weg auf Meereshöhe. Faszinierend war es anzuschauen, und unserer Meinung nach ein Muss für jeden Inselbesucher. Schade nur, dass die ansässige Lokalpolitik wohl immer noch am Diskutieren darüber ist, die Hütten abzureißen. Ohnehin herrscht auf der Insel vielerorts eine dezente Idiotie und Schizophrenie, was die Pflege und Gestaltung des Umfeldes angeht. Wird hier im Namen des Küstenschutzes eine wilde Siedlung abgerissen, baut man ein paar Meter weiter einen Hotelkomplex in gleicher Entfernung zum Wasser. Also, Natur- und Kulturliebhaber, beeilt Euch, La Palma zu besuchen, so lange das Eiland noch nicht aussieht wie Teneriffa! Zurück im Ort des Geschehens machten wir uns auf den Rückweg und mit unserer mangelnden Kondition Bekanntschaft. Gerade mit letzter Kraft zogen wir uns die Türen hoch in den Citroën und als diese geschlossen waren, hätte man als unbeteiligter Zuhörer denken können, wir synchronisieren einen drittklassigen Pornofilm...

Schon war der 1. April, und wir fuhren noch einmal gemeinsam zum Gipfel, um diese Gegend genauer auszukundschaften. Diesmal wagten wir es auch, vom bereits oben genannten Aussichtspunkt ausgehend, ein paar Schritte der schroffen Gebirgslandschaft zu Fuß zu folgen.  Die Atmosphäre dort war atemberaubend, wenn man noch eben in der Höhensonne und Sekunden später mitten in einer Wolke steht und einem frierend die Kleider klamm werden – nur um ebenfalls nach Sekunden wieder ordentlichst und trotzdem kaum spürbar durchgebrutzelt zu werden. Ein paar Kilometer weiter bogen wir in die Zufahrt zum Observatorium ein, zu dem mit die weltgrößten Spiegelteleskope gehören. La Palma und speziell dessen höchste Gipfel bieten wohl optimalste Bedingungen für die Himmelsbeobachtung. Ziel war der Roque de los Muchachos und dessen Gipfel in 2426 Metern Höhe. So direkt über den Wolken zu stehen, mit dem Wissen, dass die Caldeirawand direkt vor einem knappe zwei Kilometer steil abfällt, war an diesem Tag nicht wirklich fotogen, aber gefühlstechnisch unbeschreiblich. Ein bisschen hatten wir uns noch an den beiden Tscherenkow-Teleskopen ausgetobt, die mit ihren frei liegenden Spiegeln auf Flächen von je 17 Metern Durchmesser für allerhand surrealistische Motive sorgten.

Wieder unten angekommen, seilten wir uns nach dem Abendessen mit den Zielen Sonnenuntergang und Strand ab. Ohne eine detaillierte Planung versuchten wir uns erst einmal in Richtung Puerto Naos, auch wenn schon feststand, dass wir direkt in der Touristenmetropole nicht fotografieren wollten. Entsprechend bogen wir kurz vor Ortseingang auf gut Glück ab und erreichten nach Kilometern von weiß betuchten Bananenkorridoren tatsächlich einen wunderbaren groben Kiesstrand mit einladender Strandbar, den Playa de los Guirres (Playa Nueva laut Reiseführer), der das Obstghetto zuvor direkt vergessen ließ. Die Ergebnisse waren nicht perfekt, aber der Ausklang des Tages trotzdem sehr gelungen!

Ostern war vorbei und wir überquerten die Insel in West-Ost-Richtung auf der alten Passstraße, absichtlich den modernen Tunnel auslassend.  Auf der Cumbre Nueva erwartete uns eine Mischung aus schwarzem, feinem Lavagestein, aus dem so weit das Auge reichte die saftig grünen Pinien sprießten. Vorbei am Rastplatz El Pilar ging es zurück und über gefühlte tausend Serpentinen direkt von oben nach Santa Cruz. Am Abend suchten wir den nächsten Strand, diesmal südlich von Puerto Naos. Genau spiegelsynchron zum Vortag war es auch hier so, dass es erst über Kilometer durch die berühmte Bananenpassage ging, bevor wir den Playa de Charco Verde erreichten. Auch dieser Strand ist uneingeschränkt zumindest Fotografierenden zu empfehlen.

Zwei Strandabschnitte mit recht feinem schwarzen Kies werden hier von schroffem Vulkangestein eingerahmt und an jeder Seite führt eine Galerie vom Parkplatz bis zur Badebucht. Kleine Felsformationen formen natürliche Schwimmbecken und Pools, die wir am letzten Tag auch dafür nutzten, die Spiegelung des Himmels einzufangen.

Der achte Tag des Urlaubs führte uns zum bereits oben angesprochenen Volcán Teneguía. Vor gut 40 Jahren brach dieser Vulkan das letzte mal aus und formte so die heutige Küste im Süden.  Sieben Krater lassen sich besichtigen und angeblich findet man immer noch heiße Stellen im Lavastrom – richtig erkannt, wir haben sie nicht gefunden. Auch den Hauptgipfel haben wir nicht erklommen. Ich selbst war zwar kurz davor, habe aber gut 15 Höhenmeter davor aufgegeben, weil mir an diesem Tag der Wind zu sehr wehte, um über ein paar Meter ungeschützten Grat zu laufen. Die Landschaft selbst ist sehr sehenswert und lässt spüren, wie klein und hilflos der Mensch eigentlich ist, wenn die Natur nur will. Weiter hatten wir uns vorgenommen, dass wir an diesem Tag alle Strände zwischen Fuencaliente und Tazacorte abklappern, um diesbezüglich auch ja nichts verpasst zu haben. Die Noch-Sackgasse von Fuencaliente nach Norden wird gesäumt von einigen sehr kleinen Buchten, die vor allem von Einheimischen am Wochenende genutzt werden.

Hier und da gibt es noch wenige Zeugen der Raubbebauung an den Stränden, die wir aber, im Gegensatz zur Cueva Candelaria, nicht sonderlich ansprechend fanden. Letzten Endes blieb es bei unseren beiden Favoriten, dem Charco Verde und dem Playa de los Guirres, die für uns genau die Richtige Mischung aus Tourismus und Natur boten. Wer eben mehr Geheimtipps und Kultur mag, ist mit den genannten Buchten bestens bedient, und wer es ausgebaut und touristisch vorzieht, sollte sich Puerto Naos oder Puerta de Tazacorte anschauen - jeweils zumindest die Westküste betreffend.

Los Tilos, mit der größte noch vorhandene und zusammenhängende Lorbeerwald der Erde, war angesagt, als Nicole und ich am Folgetag wieder alleine unterwegs waren. Vom Reiseführer als Pflichtprogramm aufgedrängt, stellten wir sehr bald fest, dass die Ruhe, Abgeschiedenheit und Wildnis, die wir dort erwarteten, nicht ganz auffindbar war. Mehrere Parkplätze dienten als Ausgangspunkte, und einige Palmerer haben sich die Empfehlungen zu Nutze gemacht, um dort Gaststätten zu errichten. Entsprechend wurden bei unserem Eintreffen gerade die Grills für das Mittagessen angeheizt, und viele lustig bekleidete Touristen machten sich auf den Pflichtmarsch in den Wald. Wir schmissen unsere Planung um und entschieden, nochmal alleine den rauen Norden zu erkunden. Unser Ziel war auch, möglichst wenig die Haupttrasse LP-1 zu benutzen und statt dessen, wo es nur möglich ist, Nebenstrecken gen Inland oder an der Küste zu nehmen.

Jedem, der auf enge verwinkelte Straßen steht und keine Angst vor Tunnels hat, die ausschließlich dem Zweck dienen, dass man durchfahren kann, sei an dieser Stelle ab Barlovento die LP-109 empfohlen. Es kam uns dort fast so vor, als hätten wir die angestrebte Urwaldwanderung mit dem Auto unternommen und die angesprochenen drei Tunnels – oder eher Durchgangsstollen – waren schon fast den Umweg alleine wert. Bei einer kleinen Rast trafen wir auf ein deutsches Paar, das uns ge- oder zumindest verstört intensiv musterte und dabei Liter um Liter Wasser von einer Quelle abzapfte. Kaum wieder auf der LP-1 zurück bogen wir auch schon wieder ab und fuhren diesmal Richtung Meer nach Santo Domingo de Garafía.  Wir hielten uns an die Beschilderung, die uns erst zum Friedhof und dann zum Hafen führte – wobei letzteres in diesem Fall nur eine Stelle ist, an der man Boote zu Wasser lassen kann. Der letzte Aussichtspunkt des Weges diente uns einige Zeit lang als Rast und wir fanden Zeit, die Küste und die schroffen Felsformationen zu fotografieren. Alleine der Weg bis zu diesem Parkplatz rechtfertigt den Aufwand, denn man fährt durch eine Landschaft, die so üppig von Kakteen und Weggefährten bewachsen ist, dass außer der Straße selbst kein Grund mehr zu sehen ist. Gegessen haben wir an diesem Tag das einzige mal zu zweit auf dem Rückweg im La Muralla nördlich von Tijarafe, das wir fortan als Insel-McDonald's bezeichneten. Die Aussicht war klasse, das Essen aufgewärmt und im Gegensatz zur Meinung des Reiseführers nicht wirklich zu empfehlen.

Wir schlossen den Tag kurzentschlossen am Playa der Charco Verde ab, wo wir die Möglichkeit bekamen, einen traumhaften Sonnenuntergang einzufangen.

Die obligatorischen Urlaubsmakros innerhalb unserer sehr gepflegten Anlage folgten am kommenden Morgen, bevor wir uns aufmachten, Santa Cruz de La Palma jetzt doch noch durch unsere Anwesenheit zu bereichern. Ein bisschen die Hoffnung hatte ich ja, dort günstig an Kameraequipment zu kommen, so wie es – laut meinen Eltern – auf Gran Canaria und – laut eigener Erfahrung – auch auf Lanzarote möglich ist. Gefunden hatte ich allerdings nichts, was meinen untertriebenen Preisvorstellungen gerecht wurde und so konnten wir uns voll und ganz auf die Innenstadt konzentrieren. Der Bummel wurde mit einem gefüllten Crêpe in einem ansprechenden Straßencafé abgeschlossen.

Der letzte Tag des Urlaubes stand an und wir schafften es tatsächlich, noch einige Bilder einzufangen, die wir uns anfangs vorgenommen hatten, aber bis dato noch nicht umsetzen konnten. So bildete sich im Laufe des Morgens auf der Cumbre Nueva die sehnlichst erwartete Cascada, ein Wolkenfall, bei dem sich das Wetter langsam über die Kämme schiebt und auf der Westseite herunterfällt, um dort vom wärmeren Klima aufgelöst zu werden. Zuvor sind wir am Online-Check-In verzweifelt, was uns zu ein paar Stunden Warterei am Flughafen verdonnerte - Danke Thomas Cook!

Nach dem abschließenden Abendessen zogen wir noch einmal los, jeder mit seinen eigenen Wünschen, was er noch gerne abgelichtet hätte. So wurde der Lavastrom des San Juan noch einmal begutachtet und die Steinhäuschen an dessen Rand, um anschließend ein letztes mal am Charco Verde anzutreffen und dort in der blauen Stunde mit die besten Fotos des Urlaubs zu machen.

Früh brachen wir am nächsten Tag zur zwanzig-stündigen Heimreise auf, von der wir – wie schon erwähnt – 15 Stunden der Opelvertragswerkstatt unter den Reiseveranstaltern zu verdanken hatten. Ein Schaden am Flugzeug ließ uns nach dem Start in Teneriffa dort gleich noch einmal landen und so verbrachten wir die fünf Stunden, die wir sonst in Madrid gesessen hätten, eben auf diesem wesentlich übersichtlicheren Flughafen.

Fazit: Klar, das nächste mal nehmen wir unsere Reiseplanung wieder selbst in die Hand und verzichten so auf Willkür und Laune von Dritten. Kostet es auch ein paar Euro mehr (wenn überhaupt), sparen wir diese später an Nerven und hätten im Nachhinein betrachtet einen ganzen Tag mehr auf der Insel verbringen können.

Die Unterkunft im La Palma Jardin empfehlen wir uneingeschränkt weiter für Leute, die sich im Urlaub selbst versorgen möchten. Die Anlage ist sehr gepflegt, großzügig und durchdacht und das Personal ist super freundlich und kompetent.

Die Insel selbst ist sehr sehenswert und für unsere Ansprüche die höchstwahrscheinlich beste Auswahl der Kanaren. Trotzdem würden wir die Azoren ohne groß zu überlegen jederzeit vorziehen. Hauptgrund dafür ist, dass man auf den Azoren – unserer Ansicht nach – viel mehr Wert auf die Gestaltung und Schonung der Natur legt. Es gibt auf La Palma so gut wie keinen Wasserfall, aber im Vergleich mit den Nachbarinseln reichlichst Süßwasser, das aber fast komplett aufgefangen und kanalisiert wird. Kaum ein Ausblick ist über die Küste möglich, auf dem nicht mindestens ein großes weiß bedecktes Bananenfeld zu sehen ist. Bananen wachsen dort auch unbedeckt, aber angeblich sind diese nur dann für unsere hochintelligente EU-Diktatur groß genug, wenn man die Sorten pflanzt, die das kanarische Klima nicht ohne nachzuhelfen vertragen. Und viele Aussichtspunkte erwecken ein wenig den Eindruck, sie wären dort gebaut worden, wo Platz dafür war. Auf Flores gingen wir eher davon aus, der Ausblick selbst hätte deren Lage bestimmt.

Ein weiteres Manko dieser Insel war die Klientel, die deutsche. Wir können uns nicht erinnern, jemals im Urlaub so viele unsympathische Snobs an einem Fleck gesehen zu haben, und es wunderte nicht, dass wir Deutschen auf der Insel zwar allgegenwärtig, aber nicht unbedingt beliebt sind.

Wie oft konnten wir erleben, wie der Unternehmer a. D. im besseren Restaurant wie dem Francipani seiner mindestens 20 Jahre jüngeren Begleitung mit pseudointelligenten Lebensweisheiten schmackhaft machen wollte, dass es an ihm mehr als nur das zu erwartende Erbe zu entdecken gibt. Oder der Jean-Pütz-Joseph-Göbbels-Verschnitt beschämt zu Boden schaut, wenn man nicht in Hose und Hemd in seiner Nähe Platz nimmt.

Der Vorteil gegenüber dem Vergleichsarchipel ist das bessere Essen und die bessere Möglichkeit zur Verständigung, zumindest für die Urlauber, die dem Englischen nicht zureichend mächtig sind. Letzteres stört uns nicht wirklich, und was das Essen angeht, haben wir bis dato immer eine zufriedenstellende Alternative gefunden!

Restaurantempfehlungen sind für uns eindeutig das schon ausführlich beschriebene Carmen und die Bodegón Tamanca bei Las Manchas, die sehr gutes Essen in einem alten Weinstollen bietet und daher eine unvergleichliche Atmosphäre bietet. Das Francipani hingegen wird als "eines der exklusivsten Restaurants der Insel" gelobt, für uns war das Exklusive allerdings schwerpunktmäßig nur der Preis. Weder Qualität und schon gar nicht das Ambiente können mit dem wenige 100 Meter entfernten Carmen in unseren Augen mithalten.