Gestalteter Titel-Schriftzug
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Kaufberatung: Blitz, Stativ & Co.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Testberichte gibt's wie Sand am Meer. Entsprechend ist das hier keiner! Allerdings habe ich mir über diese Themen in der Vergangenheit sehr viele Gedanken gemacht, habe gekauft, habe verkauft und bin mittlerweile soweit, für mich das ideale Equipment gefunden zu haben. Was ich mir dabei gedacht habe, was ich dabei lernte, will ich in diesem Workshop mit Euch teilen, stelle meine eigene Ausrüstung vor und hoffe, so jenseits von Punktevergaben Euch bei Eurer eigenen Entscheidungsfindung etwas unterstützen zu können.

Stative – Übersicht, Hersteller & Preise

Vor der Materialwahl und dem Ausloten aller weiteren Bedürfnisse steht natürlich erst einmal die Frage nach dem, was ich bereit bin auszugeben. Gleich vorweg, auch wenn es überheblich klingen sollte: suchst Du die Komplettlösung im zweistelligen Eurobereich, wirst Du mit Deiner Spiegelreflex-Ausrüstung nicht glücklich. Rechne für Stativ und Kopf mit allermindestens 150 €, ab dann ist ein sinnvolles Hantieren möglich und ab 300 € fängt es auch an Spaß zu machen und fühlt sich nicht mehr gar so sehr wie ein Kompromiss an. Wie bei allem gibt es natürlich auch hier nach oben einmal mehr keine Grenzen. Ein Gitzo-Stativ samt ArcaSwiss-Getriebeneiger (dazu später noch mehr) kommt dann schon mal auf weit über 3000 €, nur ob sich dieser Preis selbst für einen Profi noch rechnet, sei mal in Frage gestellt.

Also überlege man sich die grundsätzlichen Fragen, welche Wünsche man an das Gerät habe. Wie hoch soll es sein? Wie klein soll es in geschlossenem Zustand sein? Wie schwer? Was soll es tragen können? Brauche ich eine Mittelsäule? Sollte diese dann auch noch schwenkbar sein? Reicht mir ein Niveliersockel? – Und hier geht es nach wie vor nur um das Gestell unter dem Kopf. Für diesen folgen vergleichbar viele Überlegungen später.

Gut, Hersteller der unteren brauchbaren Preisklasse bieten Stativ wie Kopf teilweise im Set an. Vielleicht reicht das für die Reise, aber schrauben wir unsere Ansprüche ruhig etwas höher, sonst wäre ja auch mein Text nach wenigen Zeilen beendet...

Der Hersteller im High-End-Bereich ist nach Meinung ziemlich aller wohl Gitzo – wie schon oben angesprochen. Aber es gibt mehr und mehr Nischenhersteller, die sich preisgünstiger auch in dieses Segment wagen und der Qualität Paroli bieten können. Feisol ist so eine Marke, FLM seit neuestem auch, Novoflex unter Vorbehalt, und ich wäre so frech, auch mal Berlebach hier hinzu zu fügen, auch wenn deren Strategie eher ein Holzweg ist... Im gehobenen Consumer-Bereich ist meist als erstes von Manfrotto die Rede. Die Auswahl hier ist allerdings wesentlich größer, und so sollte man unter anderem auch mal einen Blick auf Giottos, Cullmann, Vanguard, Slik, Velbon und viele mehr werfen.

Stative – Bautypen

Für was brauche ich das gute Stück? Diese Frage sollte zuerst beantwortet werden. Geht es mir darum, des nachts im Winde mehrstündige Belichtungen zu machen, oder will ich nur im Zoo oder bei Makros nicht ganz so dolle zittern? Im letzten Fall sollte man sich vielleicht Gedanken über ein Einbein machen. Das ist leicht, ist klein und stabilisiert gerade so, dass es für Aufnahmen reicht, die man eventuell händig verwackelt hätte. Sobald man sich für seine Aufnahmen Zeit lassen möchte – sei es, weil man die Kamera wirklich 100%ig genau ausrichten oder auch, weil man Langzeitbelichtungen machen möchte – sollten es der Beine schon mindestens zwei mehr werden. Novoflex bietet bisher ungeschlagen vier Beine an. So sehr ich diesem Hersteller auch angetan bin, mit diesem System kann ich nicht all zu viel anfangen und bin der Meinung, mit dreien der Gliedmaßen genug zu haben.

Bei fast allen Standard-Stativen kann man sich zwischen drei und vier Beinsegmenten entscheiden. Für drei Segmente spricht etwas weniger Gewicht, für die vieren das etwas geringere Packmaß. Mir persönlich ist letzteres wichtiger, das solle aber jeder für sich selbst entscheiden. Billiger wird allgemein eher die erste Variante, allerdings reden wir hier über Mehrkosten, die sich im Rahmen halten.

In aller Regel sind die Beinchen seitlich gestuft in verschiedenen Winkelungen ausklappbar. Meiner Meinung nach sollte man darauf achten, denn ich denke, die wenigsten Fotografen werden stets nur damit im stehen und auf ebener Fläche hantieren.

Eine Mittelsäule macht die Bedienung zwar komfortabler, führt aber auch zu gering mehr Instabilität. Gerade diejenigen, die vorhaben, mit langen Brennweiten zu arbeiten, sollten sich dieser Tatsache bewusst sein. Überdies gibt es auch hier enorme Unterschiede. So bietet manch Hersteller an, die Säule kürzen zu können, oder man kann sie ganz entfernen. Ebenfalls gibt es mehrere Ansätze, dass die Säule gekippt oder um 90° gedreht werden kann, womit man die ausgefallensten Blickwinkel erreicht. Hier kann einem vor allem das Gewicht der Kamera-Objektiv-Konstruktion einen Strich durch die Rechnung machen. Mein erstes Giottos-Aluminiumstativ kann zwar laut Gebrauchsanweisung locker zwölf Kilo tragen, aber wenn ich drei Kilo Kamera an die gekippte Mittelsäule hänge, sollte ich mir überlegen, die Fixierschrauben mithilfe einer Zange anzuziehen...

Du möchtest nicht auf die Mittelsäule verzichten? Das ist soweit noch keine verkehrte Entscheidung. Aber ich würde empfehlen, das Modell danach auszuwählen, ob man trotzdem Möglichkeiten hat, halbwegs die Kamera auf Bodenhöhe zu bringen – man weiß ja nie, ob man's mal gebrauchen kann.

Der eventuelle Kompromiss könnte eine Nivellierplatte sein, die es dem Benutzer erlaubt, den Stativkopf erst einmal ins Lot zu bringen. Diese Konstruktionen sind recht stabil und gerade bei der Verwendung von großen Teleobjektiven in Verbindung mit einem Gimbal sehr sinnvoll – auch wenn ich selbst beides nicht besitze.

Direkt hier eine Marke zu empfehlen, erlaube ich mir auszulassen. Es gibt, wie ich finde, hier zu viele Hersteller, die alle brauchbares Material abgeben. Die einzelnen Komponenten unterscheiden sich vor allem in der Bedienung und dadurch, wie verschiedene Probleme gelöst wurden. Was jetzt genau für wen ideal ist, sei jedem selbst überlassen. Für mich hat sich herausgestellt, dass ein recht niedriges Stativ mit vier Beinsegmenten und ohne jegliches Mittelding die ideale Lösung ist.

Stative – Materialien

Ich denke, es gibt ganze vier Rohstoffe, die ich in diesem Punkt aufführen kann. Magnesium beispielsweise wird ausschließlich für die Verbindungselemente genommen – hier geht es allerdings mehr um das, was die Stative zum großen Teil ausmacht: die Rohre für die Beine.

Also beginnen wir mit dem Einsteigermaterial schlechthin: Aluminium. Keine Frage, man macht keinen Fehler, ein Stativ aus Aluminium zu besitzen. Gute Stative sind stabil und tragen je nach Ausstattung auch einige Kilo Kamera zuverlässig. Die Gefahr liegt hierbei nur nahe, dass man des Gerätes bald überdrüssig wird, da der Nachteil dieses Werkstoffes definitiv das hohe Gewicht ist. Ich selbst besitze ein Aluminium-Stativ neben dem aus Karbon, das ursprünglich für Reisen geplant war. Das letzte mal benutzt habe ich es vor mittlerweile zwei Jahren auf Fehmarn. Und da auch nur, weil der Wind in einer Stärke wehte, dass ich Angst hatte, das leichtere Reisestativ würde es wegwehen. Ansonsten verstaubt das gute Stück bis dato, mag es auch noch so gut und zuverlässig sein.

Karbon ist mittlerweile das Material, für das man im gehobenen Preissegment die umfangreichste Palette geboten bekommt. Leicht und robust – das sind die Vorzüge. Nachteilig wird nur darüber geredet, es würde mehr schwingen als das Aluminium, für meine Zwecke ist das Feisol Classic CT-3402 Rapid aber wahrscheinlich das Optimum und ich habe von den Schwingungen nie etwas gemerkt. Allerdings sei dem noch zugefügt, dass ich kaum über die Brennweite von 70mm gehe, und die paar Aufnahmen, die länger entstanden sind, reichen kaum zur Bewertung aus.

Nummer drei in meiner Liste wäre Basalt, das wohl geringes Gewicht und wenige Schwingungen unter einen Hut bringen soll. Viel dazu sagen kann ich allerdings nicht. Nur wenige Anbieter liefern Basaltstative und ich kenne auch niemanden, der so etwas benutzt oder benutzt hat.

Und noch seltener wird es bei Material Nummer vier: Holz. Als Hersteller ist mir nur – wie eingangs erwähnt – Berlebach bekannt. Hier habe ich allerdings schon mehrfach beste Kritiken gelesen, da es kein anderes Material gibt, das so wenig schwingt, wie das hier verwendete Eschenholz aus dem Erzgebirge. Der gehobene Preis relativiert sich etwas, wenn man liest, was Berlebach-Kunden sonst an Equipment benutzen. In aller Regel sind das die Top-Modelle der Hersteller in Verbindung mit den längsten Supertele-Objektiven, wenn nicht gleich Mittel- oder Großformatkameras. Angesichts dieser Glas- und Metallmenge spielt das Bisschen Mehrgewicht eines Holzstatives auch keine all zu große Rolle mehr.

Stativköpfe

Man sollte nicht denken, mit der Entscheidung für das hoffentlich richtige Stativ wäre alle Arbeit getan. Vermutlich genau so viel Zeit wird wohl die Überlegung für den zukünftigen Stativkopf in Anspruch nehmen.

Vorerst stellt sich die Frage, ob es ein Kugelkopf oder ein Neiger werden soll. Kugelköpfe sind sehr flexibel und einfach zu bedienen und dürften in aller Regel auch leichter als ihre Konkurrenten sein. Der Standard-Kugelkopf hat eine Schale, die auf das Stativ montiert wird, und in dieser Schale läuft die Kugel, auf der wiederum die Kameraaufnahme befestigt ist. Mindestens gibt es einen Stellknopf, mit dem die Kugel fixiert werden kann. Zahlreiche weitere Innovationen sind verfügbar, so Einstellmöglichkeiten für die Friktion, einen Drehteller unter der Schale und ähnliches. FLM bietet hier Köpfe an, die mit Rädchen und Knöpfchen vollkommen überflutet sind. Hier werden zusätzlich verschiedene Rasten eingestellt, oder es wird versucht, die Kugel so zu fixieren, dass man nur bestimmte Richtungen verstellen kann. Letzteres wird zu geradezu immensen Preisen auch von ArcaSwiss angeboten. Minimum eine Auskerbung in der Schale ist allen Köpfen gemein, damit man die Kamera um 90° kippen kann. Bei manchen Herstellern wie dem amerikanischen ReallyRightStuff können dies auch mal zwei sein, Novoflex bietet bei den beiden Topmodellen dieser sogar drei!

Wenig zu finden sind – für mich eher unverständlich – Kugelköpfe, bei denen die Konstruktion umgekehrt ist: hier ist die Kugel fest mit dem Stativ verbunden, während die Kamera direkt an der Schale befestigt wird. ArcaSwiss hat die Lösung seit langem im Programm, Novoflex zieht jetzt erst langsam nach (lässt man mal den Magicball außen vor) und bietet seinen Ball 3 in der zweiten Version nun so an, dass man ihn nach Belieben zwischen Kamera und Ständer befestigen kann. Der Vorteil einer „Upside-Down-Konstruktion” liegt darin, dass man die Kamera nach dem exakten Ausrichten beispielsweise für Panoramen im Lot drehen kann, ohne eine extra Panoramaplatte kaufen zu müssen. Bis zum Schreiben dieses Textes benutze ich selbst einen ArcaSwiss p0, den ich mit einer Novoflex-Schnellkupplung aufgewertet habe. Allerdings bin ich schon seit einiger Zeit am Überlegen, ob ich früher oder später auf den oben beschriebenen Novoflex Ball 3 umsteige. Grund dafür ist die nicht 100%ige Verbindung zwischen dem p0 und der Schnellkupplung, da das Material von ArcaSwiss für die Fixierschraube der Kupplung zu weich zu sein scheint.

Wie bei allem steigt beim Preis auch hier die Qualität. Will man also nur 100 € ausgeben, sollte man es in jedem Fall unterlassen, im gut sortierten Fotohandel an Gitzo- oder Markins-Equipment für das x-fache rumzuspielen... Beachtet man aber die Maximalbelastung eines Kopfes und unterschreitet mit seinem Kamera-Objektiv-Gewicht diese um gut 50%, bekommt man auch im unteren dreistelligen Eurobereich Material, mit dem man auch durchaus zuverlässig arbeiten kann.

Bei Neigern hat man die Möglichkeit, mit in der Regel bis zu drei Hebeln jeden einzelnen Neigungswinkel separat zu verstellen. Die Köpfe sind entsprechend schwerer und größer als die Kugelköpfe, die Arbeit damit ist in der Regel zeitintensiver; dafür hat der anspruchsvolle Fotograf aber auch ein Instrument zur Hand, das es einem erlaubt, wesentlich genauer seinen gewünschten Bildausschnitt einzustellen. Perverser Sonderling ist hier die Induro PHQ-Serie, die gleich fünf(!) Möglichkeiten zur Rotation verschiedener Achsen bietet.

Eine Weiterentwicklung der Neiger stellen die Getriebeneiger dar, bei der man jeden Weg nicht per Hand sondern – wie der Name vermuten lässt – über ein Getriebe verstellt. Sinn macht so eine Investition in meinen Augen aber nur dann, wenn man sich sein Geld als professioneller Architekturfotograf verdient. Hier kann es notwendig sein, das Bild millimetergenau auszurichten, wenn man nebenbei am besten noch mit Mittel- oder Großformatkameras arbeitet und tausende von Tilt- und Shifteinstellungen am Balgen verdrehen muss. Wenn allerdings Nicht-Architekturfotografen die gut 2000 € für einen ArcaSwiss Cube C1 ausgeben wollen, habe ich natürlich auch nichts dagegen...!

Kameraplatten

Hat man den oben angesprochenen Preis von gut 100 € ausgegeben, kann man sich diesen Punkt in aller Regel erst einmal sparen, denn bei Köpfen dieser Preisklasse ist normalerweise auch die Verbindung zur Kamera enthalten.

Das ist bis auf Weiteres auch ganz gut so. Ist man jetzt aber im Besitz eines schwereren Teleobjektivs, so ist damit verbunden im Normalfall eine Objektivschelle, die eine weitere Platte benötigt. Wechseln der Platte von Kamera zu Objektiv halte ich für wenig sinnvoll. Also muss man entweder schauen, ob es die Platte zum Nachkaufen gibt oder sich nach einem Standard umschauen und am besten den Kugelkopf gleich von Vornherein nach diesem Standard aussuchen.

Nun, einen ernstzunehmenden Standard gibt es nur einen, und der ist eigentlich nicht mal ein richtiger: Arca. Auch wenn die Produkte des schweizer Herstellers hierzulande nicht so populär sind, ist dieser Anschluss trotzdem in aller Munde. Er besteht letzten Endes aus einer Profilschiene, die in die Backen der Kupplung eingespannt wird. Nun wird diese Profilschiene von mehreren Herstellern und das auch in genauso vielen Größen und Ausführungen angepriesen. Der Standard ist hier aber ausschließlich das Maß der Schiene. Jeder Hersteller hat seine eigene Art, die Platte vor dem Herausrutschen zu sichern. Es bietet sich also in meinen Augen an, zwar Arca-Standard zu wählen, sich dann aber auf einen Hersteller festzulegen und diesem auch treu zu bleiben. Was man da wählt, macht man am sinnvollsten danach aus, wer das Equipment anbietet, das dem eigenen Bedürfnis am ehesten gerecht wird.

Ich habe mich so für Novoflex entschieden und es bis heute nicht bereut. Die Qualität ist klasse, Innovationen zu Hauf enthalten und der Service ist ausgezeichnet! Und die Farbe ist schön...

Spezialzubehör

Wir sollten uns schon einmal glücklich schätzen: die Kamera ist stabil auf dem Stativ befestigt und wir können mit dem Fotografieren anfangen. Was gibt es aber noch alles Weiteres, damit man ja noch mehr an das Gestell bauen kann, um ja noch mehr tragen zu müssen.

Gehe ich einmal mehr von mir aus. Meine Schwerpunkte sind – wer hätte es geglaubt – Makros und die Landschaftsfotografie. Und ein bisschen Architektur. Und das einzige, was ich in der Regel zusätzlich am Stativ habe, ist ein Einstellschlitten. Die Kameraplatte habe ich durch einen L-Winkel ersetzt, damit ich die Kamera schnellstmöglich vom Quer- zum Hochformat umbauen kann. Der Schlitten ist ein Novoflex Castel-Q, und dieser erfüllt für mich gleich mehrere Aufgaben: bei Aufnahmen mit meinem Standard- oder Weitwinkelobjektiv kann ich die Kamera etwas zurückschieben, damit das Gewicht besser verteilt ist und ich sie so leichter ausrichten kann. Zusätzlich kann ich für einreihige Panoramen die Kamera komplett zurückschieben, um sie um den Nodalpunkt des Objektivs zu drehen. Und wenn ich die Zeit habe, meine Makroaufnahmen mit Stativ aufzunehmen, kann ich mit Geduld und Hingabe die Entfernung zwischen Kamera und Objekt Millimeter für Millimeter genau einstellen. Das ist von allem zwar nicht das Optimum, aber für alles was ich mache genau die Lösung, die ich benötige und auch problemlos tragen kann.

Für mehrzeilige Panoramen gibt es selbstverständlich auch Nodalpunktadapter, die dann wesentlich umfangreicher ausfallen, damit man die Kamera in alle Richtungen drehen kann, ohne den Nullpunkt in der Position zu verändern. Auch für Makros kann es wesentlich spezialisierter zugehen, und man kann dann die Kamera nicht nur in der Entfernung sondern auch seitlich verstellen. Alles Verfügbare für jeden nur erdenklich Anlass hier aufzuzählen, wäre wohl zu viel des Guten. Man schaue sich bei den verschiedene Herstellern um und entscheide dann, was um Himmels Willen einem genau den Dienst erweisen würde, denn man gerade erwiesen bekommen haben will.

Blitztechnik

In Zeiten immer höheren möglichen ISO-Werten scheint der Besitz eines externen Blitzgerätes für die meisten Hobbyfotografen kaum noch erwägenswert zu sein. Gekauft habe ich der guten Stücke in ferner Vergangenheit gleich zwei, merke mittlerweile allerdings immer öfter, dass ich sie zwar stets mitschleppe, aber im seltensten Fall brauche. Was ich damit entgegen wahrscheinlichen ersten Vermutungen nicht sagen will, ist, dass Blitzgeräte in meinen Augen keine Daseinsberechtigung mehr haben. Das reine Aufhellen allerdings ist so nicht mehr nötig, wie das noch vor einiger Zeit war – die Technik und die immer besseren Sensoren machen's möglich. Entgegen dem ist das Gestalten des Bildes durch gezieltes Aufhellen von Schatten oder vergleichbaren Arbeitsweisen jetzt eher der Zweck, den so ein Gerät erfüllen soll – und das setzt ein gewisses Verständnis für die Technik voraus.

Hier erlaube ich mir mal, ein kleines Ausschlussverfahren zwischenzuschieben. Falls Du, werter Leser, der Typ bist, der in zwei Kilometer Abstand von Schloss Neuschwanstein der Automatik Deiner Spiegelreflex gestattest, den eingebauten Blitz aufzuklappen, um so die Belichtung der Gesamtszenerie zu korrigieren, gehörst Du nicht zu der Kundschaft, die einen Aufsteckblitz gebrauchen kann. Ich würde sogar so weit gehen, zu hinterfragen, ob die SLR für Dich überhaupt einen Sinn macht. Ein Handy oder noch besser ein Tablet würde dem Niveau eher entsprechen, das hat mit fotografieren nichts zu tun.

Gut, ich gehe doch mal ganz naiv davon aus, ein solcher Benutzer dürfte diesen Text zumindest bis hierhin eh nicht gelesen haben; also zurück zum Thema:

Blitzgeräte haben die Kamerahersteller in aller Regel in mindestens zwei Preisklassen im Programm, und zusätzlich gibt es noch Angebote von Drittanbietern, die für alle großen Marken verfügbar sind. Mal abgesehen von den LowEnd-Geräten, die über Namen wie Bilora und Dörr vertrieben werden, gibt es da durchaus brauchbares Gerät, vor allem dann, wenn der Blitz nicht ganz so oft zum Einsatz kommt. Sigma und Metz sind da Marken, mit denen man arbeiten kann; aber auch Nissin soll ganz brauchbar sein. Arbeitet man regelmäßig mit Aufsteckblitzgeräten, würde ich schon zu den jeweiligen Kameraherstellern greifen. Der Preisunterschied zwischen den dort angebotenen Modellen resultiert aus mehr Leistung und mehr Funktionen. Beispielsweise kann das Topmodell von Nikon auch weitere Blitze fernsteuern und überwacht aktiv die eigene Betriebstemperatur. Ich selbst bin im Besitz eines Nikon SB-600 und eines SB-900, die beide nicht mehr auf dem Markt sind. Der Nachfolger des erstgenannten, der SB-700, hat die übersichtlichere Menüstruktur und die Bedienstruktur des Großen übernommen, so dass es jetzt größtenteils wirklich nur noch auf die Leistung hinausläuft, und ob man die tatsächlich braucht...

Eine hin und wieder ganz angenehme Sache ist ein Ringblitz. Wir haben uns vor einiger Zeit für den Metz 15 MS-1 digital entschieden, der kabellos universell mit jeder Kamera funktioniert, die die Infrarot-Ansteuerung des Blitzes unterstützt. Auch hier haben die Hersteller natürlich selbst Angebote. Arbeitet man viel im Makrobereich und steht auf den plastischen Effekt, den diese Technik erzeugen kann, ist es sicherlich wert, das dreifache auszugeben, da diese Makroblitzkits bauartbedingt noch wesentlich mehr Einstellmöglichkeiten bieten.

Beleuchtung & Lichtformung

Hat man seinen Schwerpunkt in der Porträtfotografie, wird es nicht ausbleiben, sich früher oder später Gedanken über Studiobeleuchtung zu machen. Auch wenn ich selbst in dem Thema nicht sonderlich bewandert bin, will ich es zumindest hier angerissen haben. Lichtformer und Leuchtmittel sind der Anfang einer ganzen Reihe von Gerätschaften, deren Anschaffung dann auf einen zukommt. Speziell für außen gibt es immer mehr Equipment, das auch mit leistungsstarken Akkus betrieben wird und werden kann.

Für den Hausgebrauch kann es auch reichen, wenn man das im vorangegangenen Absatz gekaufte Blitzgerät mit einem Lichtformer ausstattet und remote betreibt. Vom einfachen Reflektor bis zur Softbox kann hier vieles erworben werden – beispielsweise von Lumiquest. Der Leistung und der ausgeleuchteten Größe sind hier natürlich Grenzen gesetzt, aber es ist durchaus möglich, so mit geringem Aufwand brauchbare Ergebnisse beim Ablichten einzelner Personen zu erreichen.

Interessant wird es hier, wenn man sich ein klein wenig mit Reflektoren & Co. auseinandersetzt. Denn es ist nicht zwingend erforderlich, eine schattige Stelle mit Kunstlicht umzuformen, nein, man kann das natürliche Licht – selbstverständlich auch künstliches – mit Reflektoren umlenken. Lastolite ist einer von vielen Herstellern, die so zu überschaubaren Preisen eine unüberschaubar große Menge dieser Teile anbietet. Verschiedene Tönungen in gold, silber, weiß sind hier Entscheidungskriterien; gleichzeitig kann auch umgekehrt mit vergleichbarem Gerät Schatten geworfen oder das Licht weich gezeichnet werden. Das Ganze gibt's dann mit Handgriff, mit kleinem Stativ, einfach nur rund und was weiß ich wie alles.

Lustige Hilfen, Systemblitzgeräte auf ausgefallenem Weg an oder bei der Kamera anzubringen, sollen hier den Workshop wieder zum Ausgangspunkt zurückbringen und einmal mehr den Namen Novoflex ins Gespräch bringen. Lange Zeit habe ich meine Makros gemacht, in dem ich beide Blitze mit einer Konstruktion aus Kameraplatte und zwei Schwanenhälsen vor dem Objektiv befestigte. Die Kombination war zwar sauschwer, aber die Ergebnisse haben allgemein sehr überzeugt. Allerdings kann es auch unabhängig der Makros sinnvoll sein, den Blitz nicht direkt auf die Kamera zu stecken. Die Ergebnisse werden in aller Regel umso angenehmer, je weiter sich das Licht von der Linse entfernt befindet. So gibt es Griffe, die letzten Endes neben dem Kameragehäuse angebracht sind und auf denen dann der Blitz befestigt wird. Gerne kann noch eine Distanzstange dazwischen geschoben werden usw. usw.

Was sonst noch alles sinnvoll sein könnte...

Kleinkram für Kamera gibt es wie Sand am Meer. Was jeder einzelne hier genau braucht, ist wohl individueller wie alles andere. Ersatzakkus und -Speicherkarten, ein kleiner Blasebalg, Optikreinigungstücher und ein Reinigungspinsel rechne ich mal den Selbstverständlichkeiten zu und verliere keine weiteren Worte darüber.

Gerade im Urlaub oder auf längeren Fototouren benutze ich einen Picturetank zur Speicherung meiner Bilder. Schade nur, dass diese mobilen Festplatten allem Anschein nach fast vollständig vom Markt verschwunden sind. Wahrscheinlich wurden sie von Laptop, Tablets und den immer günstiger werdenden Flashspeichern verdrängt, allerdings bietet mir noch keines dieser Geräte den Komfort, den ich mit meinem Vosonic VP8870 habe bzw. mit vergleichbaren Geräten hätte.

Ganz begeistert bin ich auch vom Fotografieren mit GPS. Adobe Lightroom ist beispielsweise in der Lage, die Ortsdaten der aufgenommenen Bilder auf einer Karte von Google Maps darzustellen. Und so kann man schön sehen, wo man denn wie viele Bilder aufgenommen hat oder wo auf der Karte noch Flecken sind, denen noch kein Besuch von uns widerfahren ist. Das nikoneigene Modell ist vergleichsweise unverschämt teuer, aber es gibt zahlreiche brauchbare Alternativen von Drittanbietern. Alternativ gibt es auch Speicherkarten, die die Bildposition anhand von WiFi-Access-Points ausmachen (Eye-Fi u. a.). Ob und wie viel davon zu halten ist, wenn man abseits der urbanen Welt seine Fotos macht, kann ich nicht wirklich sagen, halte ich aber für problematisch. Ein GPS-Tracker hingegen ist da schon brauchbarer. Werden dessen Daten dann in Lightroom eingespielt, gleicht dieses die Daten des Moduls mit den Zeitstempeln der gemachten Bilder ab und ermittelt so die Position, an der man sich zu diesem Zeitpunkt befunden hat. Voraussetzung hierfür ist nur, dass die kamerainterne Zeit auch korrekt eingestellt ist und mit der des Trackers übereinstimmt.

Ein Fernauslöser wäre ein weiteres Zubehör, das durchaus seine Daseinsberechtigung hat. Umso mehr, je kleiner die einzelnen Pixel der Spiegelreflex werden, desto mehr kann es sein, dass man eine Verwacklung später sehen kann (am problematischsten sind hier Belichtungszeiten in etwa zwischen 1/100 und 1/10 Sekunde). Ein superstabiles Stativ ist da eine Abhilfe, wer es aber 100%ig richtig machen möchte, der hat so eine Fernbedienung an seine Kamera angeschlossen und benutzt vor der eigentlichen Aufnahme die Spiegelvorauslösung. Ein weiterer Vorteil dieser Geräte ist deren Einsatz bei Langzeitbelichtungen. Die Kamera selbst ist in der Lage, maximal 30 Sekunden zu belichten, alles längere heißt „bulb" und ist davon abhängig, wie lange ich den Auslöser gedrückt halte. Man kann sich vorstellen, dass die Kamera schon extrem stabil stehen muss, wenn ich die ganze Zeit den Finger darauf habe, bis ich der Meinung bin, die Belichtung wäre nun lange genug. Abgesehen davon, dass Fernauslöser im schlimmsten Fall mit einem Kabel am Gehäuse des Fotoapparates hängen, haben diese auch meist eine Mechanik, die es erlaubt, den Auslöser zu fixieren und dann bei manchen Modellen auf dem eingebauten LCD abzulesen, wie viel Zeit seit Abschuss vergangen ist.

Ich benutze einen Nikon MC36 für die D700 und die D300. Das ist so ein Gerät mit Display und vielen weiteren Spielereien für Intervallaufnahmen und was weiß ich für was noch. Ein Problem gibt es dann, wenn ich das nikoneigene GPS GP-1 parallel damit verwenden möchten, denn beide möchten dieselbe Buchse der Kamera belegen. Nun gibt es die Möglichkeit, mit einem Y-Kabel noch mehr Geraffel an seiner Kamera baumeln zu lassen, oder sich alternativ für den Nikon MC-DC2 zu entscheiden, eine wesentlich abgespecktere und entsprechend auch preisgünstigere Variante eines Fernauslösers, der direkt an das GPS-Modul angestöpselt werden kann und zum Auslösen von Bildern definitiv reicht.

Bei allen hier beschriebenen Produkten gibt es alternativen „Made in China” zu einem Bruchteil der Preise. Und ich denke, da deren Qualität in der Regel nicht im direkten Zusammenhang mit den späteren Bildergebnissen steht, kann man sich ohne schlechtes Gewissen auch überlegen, nur ein Drittel für einen Yongnuo o. ä. auszugeben.

 

Ich denke, das sollte im Großen und Ganzen zu diesen Themen reichen. Sollten noch Fragen offen sein, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme und werde versuchen, alles Ausgelassene nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten! Und wenn ich mit diesen paar Zeilen jemandem tatsächlich bei der Entscheidungsfindung helfen konnte, freue ich mich natürlich umso mehr, wenn ich das auch mitbekomme!