Gestalteter Titel-Schriftzug
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Ostseeinsel Fehmarn

Die einzige Ostseeinsel in den alten Bundesländern ist schon von Anfang an unser Standardreiseziel. Wir betreuen und aktualisieren dort die Websites zweier Ferienhäuser und können als Ausgleich dafür zu sehr fairen Konditionen hin und wieder die Räumlichkeiten nutzen, um ein paar Tage Abstand vom Alltag zu gewinnen. Da wir hier - im Gegensatz zum Azorenbericht - keinen einzelnen Urlaub beschreiben, werden wir die Seite wie eine virtuelle Tour, ausgehend von unserem Domizil, aufbauen.

Wir wohnen, wenn wir auf Fehmarn sind, sehr zentral in Landkirchen. Von dieser Ortschaft aus ist es ein Leichtes, alle Punkte der Insel mit dem Auto oder auch dem Fahrrad in kurzer Zeit zu erreichen. An Motiven allerdings findet man landschaftstechnisch generell im Inselinneren relativ wenig, da es kaum eine Erhebung gibt und wohl die wenigsten Fotografen Wert auf Windräder legen, die in sehr großer Anzahl dort vorkommen. Die Kirche in Landkirchen dürfte der optische Höhepunkt sein, auch wenn es uns persönlich - was Sakralbauten angeht - eher zu Größerem und Prachtvollerem hinzieht. Weit gelobt wird das Restaurant Dat ole Aalhus im Ortsmittelpunkt - unserer Meinung nach das zweitbeste der Insel. Die Speisen sind nicht ganz günstig, allerdings bekommt man dafür so reichhaltig geboten, dass es uns von Menge und Vielfalt ein bisschen zu viel des Guten war.

Verlässt man die Ortschaft in nördlicher Richtung, gelangt man auf der Vorfahrtstraße bleibend in den Westen der Insel. Vorbei und durch zahlreiche kleine Gemeinden und einzelne größere Höfe erreicht man mit Petersdorf eine weitere der drei größeren Gemeinden der Insel. Eine leider flügellose Windmühle grüßt den Gast, ist aber leider aufgrund ihrer Behinderung fototechnisch nicht wirklich ansprechend.

Zahlreiche Weggabelungen führen an die einzelnen Küsten Fehmarns. So gelangt man weiter der Hauptstraße folgend nach Orth. Der touristische Kern dieses Örtchens ist der Jachthafen. Hier lassen sich problemlos noch die Zeugen der eisenbahnernen Vergangenheit zwischen dem groben Straßenpflaster des großzügigen Parkplatzes erkennen. Einzelne Restaurants und Cafés bilden zusammen mit den Anlegestegen den Rahmen des Geschehens. Eine besondere Erwähnung verdient das Piratennest (Bild links), wo man die typische Inselkost in einer sehr ansprechenden rustikalen Atmosphäre genießen kann. Das Essen ist nicht das Highlight der Insel, aber es ist gut und die Umgebung trägt zu einem angenehmen Tagesausklang bei. Läuft man die Mole des Hafens entlang, kann man in einiger Entfernung den Flügger Leuchtturm erkennen oder auf der anderen Seite vor dem Hintergrund der Sundbrücken-Silhouette das Treiben von Kitern und Surfern beobachten.

Vom Besuch des oben angesprochenen Turms raten wir allen Besuchern ab, die die Insel mit dem Auto erkunden wollen. Hier macht sich unserer Meinung nach die Unverschämtheit am stärksten bemerkbar, die mancherorts den Eindruck auf der Insel trübt. Folgt man der Beschilderung, endet geschätzte drei Kilometer vor dem Ziel der Weg an einer Barke. Direkt daneben gibt es unangekündigt einen unbewachten beschrankten "Parkplatz", der seine Pforten erst wieder nach Einwurf von "nur" zwei Euro öffnet. Wir wünschen den bauernschlauen Verantwortlichen hierfür von ganzen Herzen, dass sich bald alle Leser an unseren Ratschlag halten und die Schrankenbesitzer an Anschaffungs- und Instandhaltungskosten so jämmerlichst zu Grunde gehen...

Überdies ist die Küste, die einen nach einem halbstündigen Spaziergang erwartet, nicht wirklich sehenswert, da sie in ihrer Form zu sehr den menschlichen Eingriff erkennen lässt.

Weiter nördlich folgt das Wasservogelreservat Wallnau. Auch hier sind wir zu der Auffassung gekommen, dass der Inhalt dem Eintrittspreis nicht wirklich gerecht wird. Interessant sollte das Reservat wohl vor allem für Fotografen sein, die mit 1000mm Brennweite und mehr sich in den zahlreichen Schutzhütten stundenlang auf die Lauer legen, was aber nicht unbedingt nach unseren Vorstellungen ist. Unser Fehmarn dagegen fängt noch ein Stück weiter im Norden bei Westermakelsdorf (Bild rechts) an. Außerhalb der Saison hat man da kaum besuchte Strände, naturbelassene Dünen und einen wunderbaren Blick auf die meist leicht bewegte Ostsee. Viele unserer Bilder sind auf dem Küstenabschnitt von hier bis zum NSG Grüner Brink entstanden.

Zahlreiche Campingplätze sind auf dieser Strecke hinter den Dünen verborgen und stören den Gesamteindruck zum Glück wenig. Es lohnt sich auf jeden Fall, die Distanz abzulaufen bzw. jeden einzelnen Strandzugang einmal abgeklappert zu haben. Gerade, wenn man wie wir schöne Bilder von der Küste und der Brandung machen möchte, findet man allerorts einen anderen interessanten Betrachtungswinkel.

Vor dem Naturschutzgebiet endet der offizielle Weg am Strand beim Niobe-Denkmal, das an ein gesunkenes Segelschiff der Reichsmarine erinnert. Aus Achtung vor der Natur empfehlen wir, den Anweisungen der Schilder zu folgen und wirklich nur die Wege zu betreten, die auch gestattet sind. Der angelegte Weg durch das Gebiet lohnt definitiv, auch wenn man sich nicht in unmittelbarer Nähe des Wassers befindet.

In Puttgarden wird man gezwungener Maßen wieder mit der Zivilisation konfrontiert. Hat man noch kein Alkohol-Problem, hätte aber gerne eins, sei einem das schwimmende Einkaufszentrum als Grundlage wärmstens an Herz gelegt! Wenn nicht, sollte man den Fischwagen am Rande des großen Parkplatzes auf keinen Fall ignorieren. Die Matjes- und Krabbenbrötchen machen sich in Gesellschaft von salziger Luft und Autofähren bestens, vor allem, wenn man sie am Ende der ewig langen Mole (Bild links) inmitten der See zu sich nimmt!

Die Südküste, wenn wir unseren bisherigen Kurs weiterverfolgen, lockt mit teils schroffen aber sehr sehenswerten und fotogenen Steilküsten. Vielerorts ragen Wellenbrecher ins Wasser, die ihrem Namen alle Ehre machen und die für längere Belichtungszeiten mit Graufiltern geradezu prädestiniert sind. Am südlichen Ende des Küstenabschnittes lohnt ein Spaziergang zum Staberhuk mit seinem Leuchtturm.

An der folgenden Südküste macht man dann wieder stärker Bekanntschaft mit dem herrschenden Drang, aus den Touristen auch den letzten Cent herauszuholen. Die Strände Meeschendorf und Südstrand, die wohl vor allem für Familien interessant sind, kosten Eintritt, was anhand der horrenden Preise in der Hauptsaison nicht unbedingt zu den Pluspunkten der Insel zu zählen ist. Damit nicht genug, existiert noch die Kurtaxe namens "Ostseecard", die jeder benötigt, der auf der Insel ohnehin sein Geld lassen möchte. Es scheint die Erfindung kleingeistiger Bürokraten zu sein, denen zwar die Möglichkeit fehlt, Leuten etwas bieten zu können, die sich aber ungeachtet dessen trotzdem die Taschen füllen wollen. Als Krönung des Ganzen wird einem die Karte mit den Worten schmackhaft gemacht, man bekomme vielerorts gegen Vorlage Eintrittsermäßigungen. Auf Nachfrage an bis dato allen Kassen erhält man aber nur ein ablehnendes Kopfschütteln.

Uns hat es dann eher nach Burgstaaken gezogen, wo man bei den allgegenwärtigen Fischbrötchen durch den Hafen (Bild rechts) schlendern, die Möwen beobachten und sich mit Souvenirs eindecken kann. In Burg selbst lädt die große Hauptstraße zum Flanieren ein. Die Innenstadt ist gesäumt von Restaurants, Cafés und unzähligen kleineren und größeren Geschäften. Das Leben auf Fehmarn spielt sich größtenteils hier ab. Auch hat man in Burg und Burgstaaken die besten Möglichkeiten, sich an den Tagen zu beschäftigen, an denen es auf dem sonnenreichsten Flecken Deutschlands regnet. Als bestes Beispiel dafür zählen wir gerne das Meeresaquarium Burg auf, das die Pendants, die wir hier zu Hause vorfinden, bei weitem in den Schatten stellt.

Von Burg aus gelangt man auch nach Fehmarnsund, wo man inselseitig den besten Ausblick auf den "Kleiderbügel", die Fehmarnsundbrücke, hat.

Wir kehren wieder zurück zum Ausgangspunkt Landkirchen und fahren von dort ins Nachbarörtchen Lemkenhafen, für uns aus mehreren Gründen der Höhepunkt der Insel. Zum einen wäre das Mühlenmuseum Lemkenhafen in der "Jachen Flünk" zu erwähnen. Für einen sehr fairen Eintrittspreis bekommt man einiges zu sehen und kann die Mühle fast bis zu Spitze begehen und die urtümliche Technik bestaunen. Unser Restaurant schlechthin ist Kolle's Fischpfanne. Für angemessene Preise bekamen wir dort vom freundlichen Personal unser Abendessen, wie wir es bis dato auf der Insel nicht ein zweites Mal geboten bekommen haben.

Überdies kann man sich gegenüberliegend in der Aalkate mit allerlei eingenebeltem Meeresgetier eindecken und bekommt dort auch perfekt marinierten Matjes für den Nachhauseweg! Und nicht zu vergessen, haben wir im letzten Urlaub in Lemkenhafen - wenn auch mehr zufällig - die besten Bilder dieser Woche aufgenommen!